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Depression

Bei Kleinkindern schwer zu erkennen

Bereits Klein- und Vorschulkinder können an Depressionen leiden. Allerdings sind die Symptome oft schwer zu erkennen und zu deuten. Häufig ist eine Depression auch mit anderen Störungen vergesellschaftet.
Brigitte M. Gensthaler
07.05.2019
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 »Je jünger der Patient, umso mehr unterscheiden sich die Symptome von denen im Erwachsenenalter«, erklärte der Kinderpsychiater Dr. Patrick Nonell vom Klinikum Nürnberg beim Bayerischen Apothekertag in Bamberg. Die Depression ist die häufigste psychische Erkrankung bei Erwachsenen, aber auch bei Kindern und Jugendlichen, oft vergesellschaftet mit anderen Störungen wie ADHS. Die Inzidenz beträgt 1 Prozent im Vorschulalter, 2 Prozent im Grundschulalter und 3 bis 10 Prozent bei Jugendlichen. »Mehr als die Hälfte aller Depressionen beginnen im Kindes- und Jugendalter«, informierte der Arzt.

Eine Depression kann sich bei Kindern von einem bis drei Jahren zum Beispiel zeigen mit vermehrtem Weinen, ausdrucksarmem Gesicht, erhöhter Reizbarkeit oder selbststimulierendem Verhalten wie Schaukeln des Körpers oder exzessivem Daumenlutschen. Auch Ess- und Schlafstörungen kommen vor. Oft werden die Kleinen nach einer Initialphase mit Schreien und Weinen zunehmend passiver und desinteressierter. Die Diagnose sei schwierig und erfordere eine längere Beobachtung.

Auch bei Kindern im Vorschulalter kann sich eine Depression mit ausdruckslosem Gesicht, verminderter Gestik und Mimik, Stimmungslabilität, mangelnder Fähigkeit, sich zu freuen, sowie Ess- und Schlafstörungen äußern. Schulkinder könnten ihre Traurigkeit schon verbalisieren, berichtete der Psychiater. Ebenso fielen hier Konzentrations-, Gedächtnis- und Schulleistungsstörungen oder eine Denkhemmung auf. Im Pubertäts- und Jugendalter ähneln die Symptome denen bei Erwachsenen. Hier müsse man aber berücksichtigen, dass dysphorische Stimmungslage und Gereiztheit auch pubertäre Zeichen sein können.

»Eine Depression bei Kindern und Jugendlichen wird häufig nicht erkannt, denn die Abgrenzung von normaler und gestörter adoleszenter Entwicklung ist schwierig.« Andere Verhaltensauffälligkeiten stünden meist im Vordergrund. Zudem unterschieden sich die Erscheinungsbilder interindividuell und entwicklungsbedingt. »Aus Furcht vor einer Stigmatisierung wird Hilfe oft erst spät in Anspruch genommen«, berichtete der Psychiater. Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen blieben unbehandelt. Nach Nonells Erfahrungen sind Kinder- und Hausärzte sowie Apotheken oft die erste Anlaufstelle. Der Psychiater betonte die Lotsenfunktion der Apotheker: »Lernen Sie das Hilfsangebot kennen und finden Sie die Pforte zu einem spezifischen Angebot, zum Beispiel zum Schulpsychologen, zu Erziehungsberatungsstellen oder zu Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychotherapeuten.«

 

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