| Christina Hohmann-Jeddi |
| 30.06.2026 11:30 Uhr |
»Tollwut verläuft fast immer tödlich, und da es keine nachweislich wirksamen Therapien gibt, ist Prävention von entscheidender Bedeutung«, schreibt das Autorenteam. Eine Postexpositionsprophylaxe sei hochwirksam, wenn sie nach jedem direkten Kontakt eines Menschen mit einer Fledermaus – auch ohne sichtbare Läsionen – unverzüglich und in Absprache mit den Gesundheitsbehörden verabreicht wird.
»Fledermäuse zeigen möglicherweise klassische Anzeichen von Tollwut, möglicherweise aber auch nicht; daher gilt jeder direkte Kontakt eines Menschen mit einer Fledermaus als hohes Risiko«, so das Fazit der Autoren. Zu einem auffälligen Verhalten gehört, wenn die nachtaktiven Tiere tagsüber in der Nähe von Häusern zu finden sind und ihre Scheu vor Menschen verlieren. Zudem können Orientierungslosigkeit, Krämpfe sowie Lähmungserscheinungen und damit bedingte Flugunfähigkeit Anzeichen einer Tollwut sein.
Unter Postexpositionsprophylaxe versteht man die Gabe von Tollwut-Impfstoff (Impfserie mit drei Dosen) nach einem verdächtigen Tierkontakt und je nach Art des Kontakts auch einer zusätzlichen Gabe von Tollwut-Immunglobulin.
In Nordamerika sind Fledermäuse, Stinktiere, Waschbären und Füchse die wichtigsten tierischen Reservoirs für Rabiesviren, wobei die meisten Fälle beim Menschen auf Kontakte mit Fledermäusen zurückzuführen sind. Fledermäuse stellen ein besonderes Risiko dar, da Bisse oder Kratzer klein sein und leicht übersehen werden können und sich die Patienten möglicherweise nicht an einen Kontakt mit einer Fledermaus erinnern oder diesen nicht erkennen.
Deutschland gilt seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut. Das bedeutet, dass das klassische Rabiesvirus bei Hunden und Füchsen ausgerottet wurde. Heimische Fledermäuse können aber andere Lyssaviren wie das Europäische Fledermaus-Lyssavirus Typ 1 (EBLV-1) und Typ 2 sowie das Bokeloh-Fledermaus-Lyssavirus übertragen. Auch diese Viren verursachen tödliche Tollwut-Erkrankungen bei Menschen.
Fledermäuse sollten daher nicht ohne Schutzmaßnahmen angefasst werden. Kommt es dennoch bei einem Kontakt zu einem Biss, sollte die Wunde gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Dann sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, um eine postexpositionelle Impfung rechtzeitig zu veranlassen.