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Apostart-Gewinner »AdiutaByte«

»Bei der Tourenplanung zählt auch der menschliche Faktor«

Beim Finale des Start-up-Pitches Apostart gewann ein junges Unternehmen, das den Botendienst in Apotheken per smarter Software verbessern will. Doch soll es hierbei nicht nur um Uhrzeiten und Kilometer gehen, sondern vor allem stehe der Mensch im Mittelpunkt, so die Unternehmensphilosophie. Was damit gemeint ist, erklärt der Unternehmensgründer im Gespräch mit der PZ.
Cornelia Dölger
17.09.2021  11:00 Uhr

»Tourenplanung ist ein komplexes mathematisches Problem«, sagt Dustin Feld, Mitgründer von »AdiutaByte«. Das können Servicedienstleister sicherlich bestätigen, schließlich müssen hierbei Kontingente kalkuliert, Wege und Verkehrsströme berechnet sowie die Anzahl der verfügbaren Boten mitbedacht werden, damit die bestellte Ware möglichst pünktlich am Lieferort ankommt. Noch komplizierter wird es, wenn neben dem Organisatorischen auch noch der menschliche Faktor eine Rolle spielt – also Vertrauen in den Lieferdienst sowie Verlässlichkeit und Konstanz; je höher hier das Serviceniveau ist, desto höher ist naturgemäß auch der Aufwand.

Und hier kommt nun der promovierte Algorithmiker Feld ins Spiel, der mit seiner smarten Software solche Tourenplanungen erleichtern will. Für diese Idee, die auch Vor-Ort-Apotheken bei ihrem Botendienst helfen kann, hat das Start-up »AdiutaByte«, dessen Co-Gründer Feld ist, in dieser Woche den ersten Platz beim Finale des Start-up-Pitches Apostart erklommen. »Der Erfolg freut uns riesig«, sagt Feld im Gespräch mit der PZ. »Wir haben uns vorgenommen, unsere Technologie künftig verstärkt für den Gesundheitsmarkt zur Verfügung zu stellen, auch weil dort der gesellschaftliche Mehrwert am größten ist«, so Feld. Neben allen Bits und Bytes stehe bei ihrem Start-up der Mensch im Mittelpunkt, betont er.

Schon der Unternehmensname gibt Auskunft

Dass das Start-up aus St. Augustin bei Bonn eben diesen Fokus setzt, lässt sich bereits am Namen ablesen: »AdiutaByte« setzt sich, wie Feld erklärt, aus dem lateinischen »adiutabit«, also: »Es wird helfen«, und »Byte« zusammen, also der berühmten digitalen Maßeinheit. Ergibt zusammen eine smarte Software, die den Nutzern helfen soll, Touren dynamisch zu berechnen und das Augenmerk dabei auch auf die individuellen Wünsche der Kunden zu legen. Als Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen in St. Augustin haben Feld und seine zehn Mitarbeitenden es grundsätzlich mit solchen Berechnungen zu tun, aber dass hierbei der persönliche Faktor hinzukommt, mache die Besonderheit ihres Produkts aus, so Feld.

Wie soll das geschehen? »Gerade bei Vor-Ort-Apotheken spielt Vertrauen in den Botendienst eine große Rolle«, erklärt Feld. Hier sei das Service-Level besonders hoch, es gehe zum Beispiel darum, Zusagen etwa zum konkreten Liefertermin einzuhalten. Die smarte Software von »AdiutaByte« könne dies leisten, indem sie nicht nur die Fahrtzeiten optimiere – etwa durch Rückgriff auf Echtzeit-Verkehrsdaten oder individuelle Flottenplanung –, sondern schon vor jeder Lieferzusage berechnen könne, ob eine Lieferung an dem Tag überhaupt noch möglich ist. »Der Apotheker kann dem Kunden schon bei dessen Bestellung quasi binnen Sekunden sagen, ob für den Tag noch Kapazitäten da sind oder ob die Belieferung womöglich erst am nächsten Tag erfolgen kann«, so Feld. Dies erhöhe das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Angebots.

Zudem sei es möglich, den genauen Lieferzeitpunkt bis auf wenige Minuten zu prognostizieren, was ebenso zur Vertrauensbildung beitrage. »Unpünktlichkeit führt bei den Kundinnen und Kunden zu Frust und Unzufriedenheit«, so Feld. In dem browsergestützten System könnten zudem individuelle Notizen zu Kunden hinterlegt werden, zum Beispiel der Hinweis, dass bei Kunde X im Hinterhaus geklingelt werden sollte. »Klarer Vorteil für den Boten«, betont Feld. Falls nötig, könne die Kundin oder der Kunde auf dem Smartphone des Boten unterschreiben, um den Empfang des Medikaments zu quittieren. »Die Lieferung kann aber auch zuvor ausgedruckt und in Papierform mitgebracht werden, so dass auch dort unterschrieben werden kann«, sagt Feld.

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