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Harnwegsinfekte

Behandeln und Rezidiven vorbeugen

Unkomplizierte Harnwegsinfekte stellen einen häufigen Beratungsanlass in der Apotheke dar. Nicht selten fragen Betroffene wiederholt um Rat, wenn sich die Infektion immer wieder einstellt. Die Selbstmedikation bietet Möglichkeiten der Prophylaxe und Therapie.
Maria Pues
03.03.2021  10:58 Uhr

Eins vorweg: Nur unkomplizierte Harnwegsinfekte eignen sich für einen Therapieversuch im Rahmen der Selbstmedikation. Sie sind definiert als Infektion bei nicht schwangeren, erwachsenen Frauen ohne anatomische oder funktionelle Besonderheiten. Harnwegsinfekte bei Kindern, Männern oder schwangeren Frauen gelten als kompliziert und bedürfen der ärztlichen Kontrolle und Behandlung. Nicht behandlungsbedürftig ist hingegen der reine Nachweis von Bakterien im Urin, ohne dass gleichzeitig die typischen Symptome eines Harnwegsinfektes vorliegen: Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, geringe Urinmengen.

Stehen Schmerzen im Vordergrund, kann ein entzündungshemmendes Analgetikum empfohlen werden. Untersucht wurde der Einsatz von Ibuprofen. So verglich eine Studie die Anwendung von Ibuprofen mit der des Antibiotikums FosfomycinBritish Medical Journal« 2015, DOI: 10.1136/bmj.h6544). Knapp 500 Patientinnen mit typischen Symptomen eines unkomplizierten Harnwegsinfekts wurden randomisiert und erhielten über einen Zeitraum von drei Tagen entweder dreimal täglich 400 mg Ibuprofen70 Prozent der Teilnehmerinnen aus der Ibuprofen-Gruppe waren nach einer Woche beschwerdefrei. In der Fosfomycin-Gruppe waren es 80 Prozent. Auch Wärmeanwendungen und/oder die Gabe eines Spasmolytikums können zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Ausreichend trinken

Neben ausreichenden Trinkmengen können klassische Blasen- und Nierentees, zum Beispiel mit Ackerschachtelhalm, Birkenblättern oder Goldrutenkraut die Durchspülung der Harnwege unterstützen. Für diese und weitere liegt eine positive Bewertung der ehemaligen Kommission E vor. Leicht desinfizierend und antibakteriell wirkt der Inhaltsstoff Arbutin in Bärentraubenblättern. Diese eignen sich daher bei den frühen Anzeichen einer Blasenentzündung, sollten jedoch ohne ärztlichen Rat nicht länger als eine Woche und nicht häufiger als fünfmal pro Jahr angewendet werden. Nach ärztlicher Empfehlung kann auch eine Anwendung im Rahmen einer Prophylaxe über maximal vier Wochen infrage kommen.

Sowohl bei der Behandlung eines akuten Harnwegsinfekts als auch zu dessen Vorbeugung können Extrakte aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel angewendet werden (Angocin® Anti Infekt N). Die enthaltenen Senföle wirken gegen eine ganze Reihe grampositiver und gramnegativer Bakterien. Die Kombination eignet sich auch zur Langzeit-Anwendung in der Prophylaxe. In einer dreimonatigen Studie sank die Infektionsrate unter Verum auf 0,43 und unter Placebo auf 0,77 (»Current Medical Research and Opinion« 2007, DOI: 10.1185/030079907X233089).

Traditionell zugelassen zur unterstützenden Behandlung von leichten Beschwerden durch unkomplizierte akute und rezidivierende Harnwegsinfekte ist außerdem eine Kombination aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern (zum Beispiel Canephron®).

Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten kann außerdem eine Prophylaxe mit D-Mannose (zum Beispiel Femannose®) empfohlen werden. Als Wirkmechanismus nimmt man an, dass die Bakterien an die D-Mannose-Moleküle binden und sich so nicht mehr an die Wände von Harnblase und -wegen anheften können. Sie werden dann einfach mit dem Urin ausgeschieden.

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