Pharmazeutische Zeitung online
COV-BARRIER-Studie

Baricitinib reduziert Sterberisiko von Covid-19-Patienten

Das Rheumamedikament Baricitinib soll eine überschießende Immunreaktion dämpfen – ob dies auch Covid-19-Patienten hilft, wird derzeit untersucht. Neue Studienergebnisse verkündete heute das Pharmaunternehmen Eli Lilly.
Daniela Hüttemann
14.04.2021  14:30 Uhr

An der Phase-III-Studie COV-BARRIER nahmen 1525 hospitalisierte Covid-19-Patienten teil. Alle erhielten eine Standardbehandlung; diese enthielt bei 79 Prozent der Patienten Corticosteroide und bei 19 Prozent auch Remdesivir. Die Hälfte der Probanden bekam zusätzlich einmal täglich 4 mg Baricitinib oral oder ein Placebo.

Als primärer Endpunkt war die Progression zu nicht-invasiver oder invasiver mechanischer Beatmung oder Tod definiert. Hier zeigte sich kein klinisch signifikanter Unterschied zwischen dem JAK-Inhibitor Baricitinib und Placebo, berichtet Eli Lilly heute in einer Pressemitteilung. Bei einem der sekundären Endpunkte, die Mortalität bis Tag 28 nach Beginn der Studienmedikation, zeigte sich dagegen eine relative Risikoreduktion um 38 Prozent zugunsten von Baricitinib. So starben unter Placebo 13,1 Prozent der Patienten gegenüber 8,1 Prozent in der Interventionsgruppe – eine statistisch signifikanter Unterschied.

»Mit dem JAK-Inhibitor wurde eine numerische Reduktion der Sterblichkeit über alle Subgruppen des Ausgangsschweregrads hinweg beobachtet«, so Eli Lilly. Am ausgeprägtesten sei dies bei Patienten gewesen, die zu Studienbeginn eine nicht-invasive mechanische Beatmung erhielten (17,5 Prozent für Baricitinib plus Standardbehandlung versus 29,4 Prozent in der Vergleichsgruppe). 

Die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse, auch schwerer, sei in beiden Gruppen vergleichbar gewesen. So traten schwere Infektionen bei 8,5 Prozent der Baricitinib- und 9,8 Prozent der Placebogruppe auf. Zu venösen Thromboembolien kam es bei 2,7 beziehungsweise 2,5 Prozent. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse der COV-BARRIER-Studie in einem wissenschaftlichen Fachjournal steht noch aus.

Bereits im März erschienen zudem Daten der ACTT-2-Studie im »New England Journal of Medicine«. Hier wurde die Kombination aus Baricitinib plus Remdesivir gegenüber Remdesivir plus Placebo untersucht. Es nahmen 1033 hospitalisierte Patienten teil. Unter dem JAK-Inhibitor stieg die Chance auf einen verbesserten klinischen Status nach 15 Tagen um 30 Prozent. Die Genesungszeit verkürzte sich bei nicht-invasiv beatmeten Patienten von 18 auf 10 Tage. Die Sterblichkeit nach 28 Tagen lag hier bei 5,1 Prozent unter der Wirkstoffkombination und 7,8 Prozent unter Remdesivir plus Placebo. 

Bislang ist Baricitinib nicht für die Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen und wird auch nicht in der deutschen S3-Leitlinie zur stationären Behandlung dieser Patienten empfohlen. Weitere Studien laufen.

Mehr von Avoxa