| Jennifer Evans |
| 11.08.2026 11:30 Uhr |
Barbie verliert Taille, Ken Kanten: Die Spielzeugikonen der Fashionista-Barbie-Kollektion sind menschlicher geworden. / © Mattel
Das Kultpaar Barbie und Ken war einfach zu perfekt, um wahr zu sein – schön, schlank, sportlich. Doch 70 Jahre später hat sich der Look der Sexbombe und ihres kantigen Begleiters verändert – die Körperproportionen der beiden ähneln inzwischen mehr denen realer Erwachsener. Das hat eine Studie der Universität Adelaide und der University of New South Wales (UNSW) in Sydney ergeben, die im Fachjournal »PLOS One« erschienen ist.
Drei Jahrzehnte nach der Untersuchung von 1996, die Barbies und Kens Maße als nahezu unerreichbar entlarvte, haben Forschende um Associate Professor Dr. Sara Grafenauer von der UNSW die damaligen Methoden wieder angewandt und die Fashionista-Barbie-Puppen erneut vermessen – mithilfe anthropometrischer Verfahren und mit repräsentativen Bevölkerungsdaten junger erwachsener Frauen und Männer. Darunter die Modelle »Curvy«, »Petite«, »Tall« und »Standard« sowie der »Malibu Ken«.
Es zeigte sich: Das Verhältnis Taille-Hüfte sowie die Maße von Brustumfang zu Taille sind heute deutlich realistischer. Besonders die Curvy-Barbie entspricht laut Studie den durchschnittlichen weiblichen Körperformen. Auch Ken hat sich verändert: Sein Körper wirkt realistischer, wenngleich sein Brustumfang im Verhältnis zur Taille weiterhin überdurchschnittlich bleibt.
Für Grafenauer ist diese Entwicklung mehr als ein Design-Update – sie hat gesellschaftliche Relevanz. Barbie und Ken gelten weltweit als frühe Vorbilder für Kinder, vermittelten aber ein verzerrtes Bild von »idealen Körpern«. Weniger als einer von 10 Millionen Menschen entsprach den Proportionen der Puppen, heißt es in der Studie. Die neuen Modelle spiegeln dagegen eine breitere Körpervielfalt wider.
Unrealistische Körperideale können laut dem Autorenteam nachweislich das Selbstbild von Kindern und Jugendlichen sowie deren Gesundheitsverhalten beeinflussen. Sie betonen: Je vielfältiger Spielzeugkörper würden, desto gesünder könne auch die Wahrnehmung von Körpern, Identität und Normalität wachsen. Barbie und Ken blieben zwar stilisiert, doch ihre Wandlung sei ein wichtiger Schritt für eine Spielzeugindustrie, die zunehmend auf Körpervielfalt, Inklusion und realistische Vorbilder setze.
Trotz der Verbesserungen sehen die Forschenden jedoch weiterhin Bedarf an einer »kontinuierlichen Überprüfung und einem Dialog über die Auswirkungen des Spielzeugdesigns auf das Körperbild« – auch in Bezug auf Make-up und Modedesign. Ihr Fazit: Für Eltern und Fachkräfte im Gesundheitswesen gebe es noch viel zu tun, um ein gesundes Körpergewicht zu fördern und stigmatisierende Sichtweisen auf die Körperform zu verhindern.