| Jennifer Evans |
| 21.07.2026 07:00 Uhr |
Eltern von sehr kleinen Babys sollten sich nicht scheuen, ihren Besuch zu bitten, das Kind nicht zu küssen oder zu berühren. / © Shutterstock/O_Lypa
Viele Eltern unterschätzen das Risiko, wenn Familie oder Freunde ein Neugeborenes auf den Kopf oder ins Gesicht küssen. Das Immunsystem des Säuglings ist in den ersten Lebenswochen noch nicht vollständig ausgereift, wodurch sich das Risiko einer Infektion erhöht.
In den ersten drei Monaten verfügen Babys über deutlich weniger angeborene Immunzellen wie Neutrophile und Monozyten als Erwachsene. Mit anderen Worten: Infektionen, die bei Erwachsenen oder älteren Kindern nur leichte Symptome auslösen, können für Babys lebensbedrohlich sein.
Ein Beispiel ist das Herpesvirus, wie Dr. Primrose Freestone, Außerordentliche Professorin für klinische Mikrobiologie an der Universität Leicester, auf der Wissenschaftsplattform »The Conversation« schreibt.
Befällt das Virus lediglich Augen, Mund oder Haut, sprechen die meisten Babys gut auf eine antivirale Therapie an. Gelangt es jedoch in innere Organe, wird es kritisch – mit potenziell tödlichem Verlauf. Grundsätzlich gilt: Je jünger der Säugling ist, desto anfälliger ist er für eine Herpesinfektion, vor allem in den ersten vier Wochen nach der Geburt.
Neugeborene sind zudem empfindlicher gegenüber bakteriellen Erregern als ältere Kinder und Erwachsene – insbesondere gegenüber intrazellulären Bakterien wie Streptokokken der Gruppe B (GBS). Bei Säuglingen können sie Sepsis, Lungenentzündung, Meningitis oder Blutvergiftungen auslösen. Diese Bakterien leben häufig im Magen-Darm- oder Genitaltrakt ihres Wirts, ohne eine Erkrankung zu verursachen.
Auch bestimmte E.-coli-Stämme, die für Erwachsene harmlos sind, können bei Babys schwere Infektionen wie Lungenentzündung, Meningitis oder Sepsis hervorrufen.
Wer ein Neugeborenes berühren möchte, sollte sich vorher gründlich die Hände waschen und vermeiden, das Kind auf den Mund oder ins Gesicht zu küssen, rät die Mikrobiologin. Geeigneter sind Füße oder Hinterkopf. Eine Maske kann zusätzlich schützen, wenn man ein sehr junges Baby besucht. Wer selbst erkältet ist oder einen Infekt hat, sollte das Treffen besser verschieben – besonders, wenn das Kind jünger als ein Monat ist.