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Mecklenburg-Vorpommern

Axel Pudimat will Zukunftssicherung der Apotheke vor Ort

Personalmangel, überbordende Bürokratie, Lieferschwierigkeiten: »Es ist unbestritten keine leichte Zeit für Apotheken». Das sagte der LAV-Vorsitzende Axel Pudimat am Mittwoch beim Wirtschaftsseminar des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern in Rostock.
Christiane Berg
24.10.2019  15:40 Uhr

Es gäbe viele Baustellen. Die generellen Aussichten seien nicht gerade erfreulich. Entsprechend sei die Stimmung in Apotheken gesunken. Doch halte er die allgegenwärtige »Aufregekultur und Schwarzmalerei« vieler Protagonisten für kontraproduktiv. Hier sei mehr Optimismus und Zukunftsglaube angezeigt. »Gott sei Dank ist das Thema Lieferschwierigkeiten inzwischen in der Politik angekommen«, machte der LAV-Vorsitzende deutlich. So wie bei den stark gestiegenen Administrationsaufgaben sehe er allerdings auch beim Personalproblem keinen echten Lösungsansatz. Dieses sei »paradox«, da es nach den offiziellen Zahlen immer mehr potenzielle Bewerber für die Arbeitsplätze in Apotheken gibt.

»Es ist ja keinesfalls so, dass wir keine Universitäts-Absolventen haben oder die Menge der Pharmazeuten und auch PTA drastisch zurückgeht. Im Gegenteil: Die Zahlen steigen«, so Pudimat. Doch stelle sich die Fragte: »Wo sind sie alle?«. Denn viele Apotheken fänden trotzdem keine Mitarbeiter. Die Stellenbörsen seien voller Angebote mit wenig Nachfrage. »Da überlegt man sich schon, wer letztlich auch die im Rahmen des Vor-Ort-Apotheken Stärkungsgesetz (VOASG) geplanten, unbedingt zu begrüßenden neuen pharmazeutischen Dienstleistungen umsetzen soll?«, konstatierte er. Der LAV-Vorsitzende zeigte sich zuversichtlich. Er betonte, dass die Apotheken gerade angesichts der zahlreichen Schwierigkeiten, die sie schon in der Vergangenheit bewältigt haben, nicht resigniert, sondern stolz darauf sein sollten, was sie leisten. »Wir sind es, die dafür sorgen, dass die Arzneimittelversorgung trotz fast allgegenwärtiger Engpässe noch immer normal funktioniert«, hob Pudimat hervor.

Deutliche Worte richtete der LAV-Vorsitzende auch an die Berliner Gesundheitspolitik. »Zwar werden wir von ihr verbal unterstützt. Für höhere Vergütungen oder die Wiederaktivierung des Versorgungsmonopols für die Vor-Ort-Apotheke reicht die grundsätzlich positiv scheinende politische Zustimmung dann doch nicht aus«, kritisierte er. Natürlich wäre es für die Vor-Ort-Apotheken das Beste, wenn der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten wieder untersagt wird. Sogar der Bundesrat habe sich für ein Rx-Versandverbot ausgesprochen. Doch habe der Apothekertag in Düsseldorf klar den Konflikt aufgedeckt, in der sich die Apotheker befinden angesichts der Tatsache, dass Bundesgesundheitsminister Spahn ein solches Verbot ablehnt und es gesellschaftlich als falschen Weg bezeichnet. Selbst die heftigsten Befürworter des Rx-Versandverbotes unter den Delegierten, so Pudimat, haben sich nach der Rede Spahns dafür ausgesprochen, die Zusammenarbeit mit ihm fortzusetzen.

Noch ersichtlicher hätte die Zwickmühle, in der sich die Standespolitik befand und befindet, nicht aufgezeigt werden können, so Pudimat. »Die ABDA ständig in Frage zu stellen, da sie es vermeintlich nicht schafft, Maximalforderungen der Basis durchzusetzen, ist ziemlich unsinnig«. Die auf diese Weise praktizierte Demontage des Dachverbandes »fällt auf uns alle zurück, da sie uns selbst schwächt«, warnte Pudimat. Der LAV-Vorsitzende betonte abschließend, dass die Apotheker die Reform unbedingt brauchen nicht zuletzt, da sie zahlreiche Möglichkeiten der Zukunftssicherung wie eben die Honorierung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen mit sich bringt.

Eckart Bauer von der ABDA über VOASG

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellte Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales der ABDA, den aktuellen Stand und den geplanten Ablauf des Gesetzgebungsverfahrens des VOASG dar. Dabei wurde deutlich, dass auch er das Reformvorhaben nicht zuletzt aufgrund der Einführung entgoltener pharmazeutischer Dienstleistungen für unbedingt notwendig hält. »Es ist auf absehbare Zeit die beste und einzige Gelegenheit für Apotheker, neue Schritte zu gehen und somit ihre Zukunft zu sichern«, sagte er.

Die Entscheidung der Einbringung des VOASG in den Bundestag liegt nunmehr beim Bundeskanzleramt. Die Abstimmung mit der EU-Kommission ist eingeleitet. Mit Blick auf die tickende Uhr und nicht zuletzt angesichts der noch nicht gegebenen Arbeitsfähigkeit der neuen Kommission, sei zwar noch Geduld gefragt. Doch es sei keineswegs wünschenswert, dass dieses Gesetzesvorhaben untergeht, warnte er. Im Gegenteil: »Ergreifen wir gemeinsam die Chance, mit pharmazeutischen Dienstleitungen die Apotheken vor Ort noch besser als Stätte heilberuflicher Leistungserbringung erkennbar und unverzichtbar zu machen«, lautete sein Appell.

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