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Blitzumfrage

AVNR meldet Engpässe bei Grippeimpfstoffen

Der derzeitige Mangel an Grippeimpfstoffen treibt auch die Apotheker in Nordrhein um. Nachdem der Ansturm auf die Vakzine in ganz Deutschland weiter anhält und Apotheker teilweise keine Impfstoffe mehr bestellen können, spitzt sich die Situation merklich zu. In der Region Nordrhein schätzen befragte Apotheker die Nachfrage als »sehr viel höher« als im Vorjahr ein.
Cornelia Dölger
16.10.2020  10:40 Uhr

Apotheker in Nordrhein vermelden sehr große Engpässe bei Grippeimpfstoffen – das hat eine Blitzumfrage unter den Mitgliedern des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR) zur Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen ergeben. Innerhalb von drei Tagen hätten sich bis Donnerstagabend mit rund 400 etwa 20 Prozent der Mitgliedsapotheken zurückgemeldet. Fast alle bewerten die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen als »sehr viel höher« als im Vorjahr und beurteilen die Verfügbarkeit als »schlecht« oder »sehr schlecht«, heißt es.

Die große Resonanz auf die Umfrage sei »ein klares Indiz dafür, dass die Kolleginnen und Kollegen die Verfügbarkeit an Grippeimpfstoffen als ein äußerst drängendes Problem einschätzen«, erklärte der AVNR-Vorsitzende Thomas Preis. Dass eine »offensichtlich vorherrschende und auch von Ärzten bestätigte Engpasssituation bei der aktuellen Grippeimpfstoffversorgung« in der Politik nicht als solche wahrgenommen werde, verärgere viele Apotheker.

Viele ärgerliche Kommentare

In zahlreichen Kommentaren hatten Apotheker ihrem Ärger über die Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums Luft gemacht. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuvor versucht, die Lage zu beruhigen, und die Frage nach einem Versorgungengpass mit der Vakzine verneint – es gebe zwar einen Liefer-, aber eben noch keinen Versorgungsengpass, hatte der Minister in einer Pressekonferenz betont. Daraufhin entbrannte in den sozialen Medien eine heftige Diskussion über die aus Sicht der Apotheker falsche Einschätzung seitens der Politik.

Aus den Ergebnissen der AVNR-Umfrage geht hervor, dass rund 85 Prozent der befragten Apotheken Vorbestellungen von Grippeimpfstoffen von Arztpraxen erhalten haben und diese auch bereits beliefert wurden. Mittlerweile haben demnach über 90 Prozent der Apotheken Nachbestellungen von Arztpraxen vorliegen. Diese könnten aufgrund der aktuell fehlenden Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen bei Herstellern und Großhandel aber zurzeit nicht bedient werden, so der AVNR.

Zudem bestätigen 95 Prozent der Apotheken, dass sie zur Versorgung von Privatpatienten Einzeldosen von Grippeimpfstoffen vorbestellt hätten. Davon haben etwa 74 Prozent mehr als im Vorjahr bestellt und etwa 24 Prozent wie auf dem Vorjahresniveau. Rund 95 Prozent bestätigten, dass sie aktuell aufgrund der hohen Nachfrage weder Großpackungen für den Praxisbedarf noch Einzeldosen vorrätig hätten. Die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen im Vergleich zu den Vorjahren schätzen alle als »sehr viel höher« oder »höher« ein.

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