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OP-Saal der Zukunft
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In Oldenburg verschmilzt Hightech mit Medizin – und rettet Leben. Tumore schweben in der Luft, Blutgefäße leuchten knallgrün und AR-Brillen helfen Chirurgen bei komplizierten Eingriffen. So sieht die OP der Zukunft schon heute aus.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 23.03.2026  10:30 Uhr

Personal-Katastrophe bahnt sich an

»Die Medizin der Zukunft beginnt heute«, meint Weyhe, während er durch die neuen Säle führt. »Das ist jetzt der modernste OP Deutschlands.« Auch andere Krankenhäuser würden mit ähnlichen Methoden arbeiten, allerdings nicht in dem Umfang.

Der Einsatz von AR-Brillen und anderen Technologien ist für den Professor keine Spielerei, sondern dringend notwendig. »Demnächst gibt es keine Menschen mehr, die das Licht an- und ausschalten können.« Er verweist auf eine Prognose der Unternehmensberatung PwC zu offenen Stellen in der deutschen Gesundheitsversorgung: Demnach könnten bis 2035 fast 1,8 Millionen Fachkräfte fehlen. »Wir laufen auf eine Vollkatastrophe zu«, sagt Weyhe. »Die Dimension ist gigantisch.«

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft setzt nach eigenen Angaben auf den technischen Fortschritt: Er entlaste das Personal, die Sicherheit für Patienten erhöhe sich und Krankenhäuser arbeiteten damit wirtschaftlicher. Entscheidend sei, dass KI als Hilfsmittel unter menschlicher Aufsicht zum Einsatz komme.

Leistenbruch mit Simulator trainieren

Ein Beispiel ist die Aus- und Weiterbildung: Mit einer speziellen Brille können sich neue Mitarbeitende selbst einen Überblick verschaffen und virtuell jeden Winkel des Pius-Hospitals erkunden. Wer seine linke Hand hebt, sieht einen Lageplan zur Orientierung. Mit Pfeilen kann man durch die Gänge spazieren, sich Erklär-Videos von den Kolleginnen und Kollegen ansehen und einen Blick in die OP-Säle werfen. »Man kann sogar die Schränke aufmachen und sich virtuell die Geräte angucken«, erklärt Oberarzt Robert Templin.

Angehende Ärzte können mit einem Simulator auch schon einen Leistenbruch operieren. Sie hantieren mit echten medizinischen Instrumenten, spüren Widerstand und können über einen Monitor virtuell alles verfolgen. »Man kann auch Blutungen auslösen«, sagt Templin. Sogar die Geräusche aus dem OP werden simuliert: Im Hintergrund fiept, zischt und klingelt es permanent.

Der Einsatz von Simulatoren ist aus Sicht der Ärzte überfällig, aber längst kein Standard. »Alle simulieren – in der Raumfahrt, bei Formel 1 oder Bundeswehr«, sagt Weyhe. »Nur wir üben am Patienten – im Jahr 2026. Das geht nicht, da müssen wir einfach digitale Technologien haben.« Auch erfahrene Medizinerinnen und Mediziner trainieren vor einem komplizierten Eingriff mit dem Simulator. »Die Fehlerquelle ist geringer, wenn man übt.«

Wenn eine Operation besonders schwierig ist, erstellt die Klinik ein 3D-Modell von Organen. Die nachgedruckte Leber eines Patienten schaut täuschend echt aus: keilförmig, leicht schmierig – und sie riecht nach Zimt. »Da ist tatsächlich Zimt drin, für die Farbe«, erklärt Weyhe. Bei der Probe-OP ziehen Ärztinnen und Ärzte noch die spezielle Brille auf und können so virtuell die Tumore auf die Leber vor ihnen projizieren.

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