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Zunehmende Hinweise

Autoantikörper an Covid-19-Pathologie beteiligt

Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass Infektionen mit dem Risiko einhergehen, eine Autoimmunkrankheit zu entwickeln. Verdächtige Pathogene sind unter anderem die Malariaparasiten oder das Epstein-Barr-Virus. Auch unbehandelte Streptokokken-Infektionen können eine Autoimmunreaktion in Form des rheumatischen Fiebers auslösen, durch das dauerhafte Herzschäden verursacht werden können. Durch Helicobacter pylori kann eine immunthrombozytopenische Purpura (ITP) entstehen, in deren Verlauf die Blutplättchen angegriffen und zerstört werden.

Offensichtlich scheint das Immunsystem durch eine von einer Infektion verursachte Entzündung dahingehend getäuscht zu werden, körpereigene Proteine als »fremd« einzustufen und Autoantikörper gegen diese wichtigen Moleküle zu bilden. Gewebeschäden, die mit der Entzündung einhergehen, scheinen besonders gefährlich zu sein, um diesen Irrweg des Immunsystems einzuschlagen.

Was bedeutet all dies für künftige Therapien?

Sollte sich die Hypothese erhärten, dass Autoimmunität tatsächlich eine entscheidende Rolle für die Pathologie von Covid-19 spielen könnte, sollte dies ein Überdenken der Therapieoptionen veranlassen. Längst stehen Testsystem zur Verfügung, die es erlauben, Autoantikörper-Muster zu detektieren. Auf Basis dieser Muster ließen sich unter Umständen Risikopatienten identifizieren.

Ein Therapievorschlag läuft darauf hinaus, Interferon-β inhalativ zu applizieren. In einer größeren Studie konnte gezeigt werden, dass sich dadurch der klinische Zustand von Menschen mit Covid-19 verbessern ließ. Auch eine Plasmapherese könnte eine Option sein, die Konzentration von Autoantikörpern zu verringern.

Allerdings steht ein harter Beweis für eine relevante Beteiligung von Autoantikörpern an der Covid-19-Pathologie noch aus. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass das Spektrum möglicher Autoantikörper natürlicherweise riesig ist. Dennoch wird sich die Forschung auf diesem Gebiet mit Sicherheit intensivieren, da bei den Autoantikörpern ein attraktiver, wenn auch noch hypothetischer Angriffspunkt für das ernste Phänomen »Langzeit-Covid-19« liegen könnte.

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