»Betroffene empfinden ihr Vorgehen häufig selbst als maßlos übertrieben und unsinnig, fühlen sich aber dazu gedrängt«, so Jelinek. Kommen sie dem Drang nicht nach, befürchten einige Menschen beispielsweise, dass etwas Schlimmes passiert – etwa, dass eine nahestehende Person einen schweren Unfall hat.
Unordnung macht Betroffene nervös und unzufrieden. Sie verwenden viel Zeit darauf, nach ihrem speziellen Schema wieder Ordnung herzustellen. »Beispielsweise räumen sie eine halbe Stunde lang auf eine bestimmte Art und Weise die Spülmaschine ein«, so Külz.
Die Ursachen für die Störung können unterschiedlich sein, meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. »Auslöser kann ein belastendes Lebensereignis wie etwa eine Trennung sein«, sagt Jelinek. Betroffene versuchen, mit zwanghafter Ordnung wieder in Balance zu kommen.
Aber auch Positives wie eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes können laut Jelinek bei Einzelnen einen Ordnungszwang auslösen. Das liege oft daran, dass Betroffene mehr Verantwortung spürten, dies als Druck empfänden und nun versuchten, dies mit zwanghafter Ordnung auszugleichen.
»Ordnungszwang kann auch teilweise genetisch bedingt sein«, so Külz. Mitunter setzen Betroffene auch erlernte Verhaltensmuster um – sie erinnerten sich daran, wie sie als Kind Lob erhielten (»Ach, was bist du ordentlich!«) und praktizierten dies auch als Erwachsene, da es ihr Selbstwertgefühl stärke.
»Ein Anfang kann sein, zu reflektieren, womit man seine Lebenszeit verbringen möchte«, sagt Jelinek. Ist Ordnung zu schaffen wirklich so wichtig, dass Dinge wie soziale Kontakte oder Hobbys hinten anstehen? Fällt daraufhin die Entscheidung, der Ordnung weniger Raum und Energie zu geben, sei der nächste Schritt, kleine Unordnungen und ebenso die negativen Gefühle zuzulassen, wie Jelinek sagt.
»Man sollte das veränderte Ordnungsverhalten üben«, rät Külz. Statt die Spülmaschine eine halbe Stunde lang nach einem bestimmten Schema einzuräumen, verkürzt man die Einräumungszeit zunächst auf 20 Minuten, später auf maximal 10 Minuten.
Wichtig: »Man muss sich bewusst machen, dass die möglicherweise auftretenden magischen Befürchtungen 'Wenn ich es nicht so und so mache, passiert etwas Schreckliches' Fantasien sind und nicht mehr«, so Külz. Auch Gefühle wie innere Anspannung und Angst lassen mit zunehmender Übung häufig nach.
Viele Menschen benötigen professionelle Hilfe, um ihre Zwänge in den Griff zu bekommen. Sich Hilfe zu suchen, kann etwa sinnvoll sein, wenn die innere Unruhe Handlungsweisen diktiert, soziale Kontakte leiden oder Betroffene sich für ihr Verhalten schämen.