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Bundesgesundheitsministerium
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Ausschreibung für digitalen Impfnachweis gestartet

Für den elektronischen Impfnachweis muss schnell eine digitale Lösung her. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat am heutigen Mittwoch eine sogenannte beschränkte Ausschreibung gestartet, wie »Die Welt« berichtet.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 24.02.2021  13:30 Uhr

Fälschungssicher soll der digitale Impfausweis sein und außerdem muss er angesichts der Coronavirus-Krise möglichst schnell zum Einsatz kommen können. Das BMG hat daher einem Bericht der Tageszeitung »Die Welt« zufolge nun ein bereits geplantes beschleunigtes Vergabeverfahren ohne Teilnahmewettbewerb gestartet und dafür ein paar wenige Unternehmen angeschrieben.

Demnach sollen unter anderem das US-Technologieunternehmen Microsoft, der Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom sowie kleinere Start-ups im Spiel sein. Offenbar hält das Ministerium diese für besonders geeignet. Im Vorfeld hieß es lediglich, man wolle wegen der Dringlichkeit ein Unternehmen beauftragen, das über »ausreichend entsprechende Erfahrungen« für diese Aufgabe verfüge. Wann, wie viele und welche Unternehmen das BMG genau zum Zweck der Entwicklung eines digitalen Impfausweises angeschrieben hat, beantwortete es auf Nachfrage der Pharmazeutischen Zeitung nicht. Geplant sei derzeit aber, dass die digitale Lösung zum Ende des zweiten Quartals 2021 bereitstehe.

Schon seit Monaten gibt es hierzulande heftige Debatten darüber, ob geimpfte Menschen künftig mehr Privilegien bekommen sollten, wenn es beispielsweise um Flugreisen, Großveranstaltungen und Besuche im Restaurant oder Fitness-Studio geht. Das BMG hatte sich in der Diskussion, die letztlich auf Grundrechte, Datenschutz und Gerechtigkeit abzielt, eher bedeckt gehalten. Offenbar will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) diese Fragen erst angehen, nachdem mehr Bundesbürger als bislang ein Impfangebot erhalten haben, wie er vor Kurzem in einem »Tagesschau«-Interview betonte. Bevor er über etwaige Privilegien für Geimpfte sprechen wolle, halte er es für viel entscheidender, zunächst diejenigen zu überzeugen, die das Impfangebot ablehnten, so Spahn.

In Israel gibt es inzwischen einen solchen Impfausweis, der als eine Art Eintrittskarte zurück in die Freiheit gilt. Ende Januar 2021 hat auch der Europäische Rat Richtlinien verabschiedet, wie eine Impf-Bescheinigung für die EU aussehen könnte. Deutschland wolle diese europäische Entscheidung schnell umsetzen, heißt es seitens des BMG. Wie stark sich Spahns Pläne allein an den EU-Vorgaben orientieren oder ob sie gar darüber hinaus gehen, bleibt unklar. Dazu gab das BMG der PZ auf Anfrage keine weiteren Auskünfte.

Dienstleister sollen künftig Impfstatus abfragen können

Fest steht aber: Der digitale Impfnachweis soll künftig in der Arztpraxis oder in einem Impfzentrum samt 2D-Barcode generiert werden. Mithilfe einer kostenfreien App kann der Geimpfte dann via Smartphone alles Weitere steuern. Die Impfbescheinigung wird laut BMG lokal auf dem Smartphone gespeichert und ist später an dieses eine Gerät gebunden. Die Prüfung, ob eine Person bereits eine Impfung erhalten hat, wird dann über die App laufen. Diese spuckt demnach dann Informationen zur Gültigkeit, Chargennummer sowie Namen des Geimpften und gegebenenfalls dessen Geburtsdatum aus.

Darüber hinaus soll sich der Nachweis BMG-Angaben zufolge ebenfalls als 2D-Barcode, dem sogenannten Impfprüftoken, darstellen lassen. »Für Dienstleister, die den Impfstatus überprüfen möchten, wird es eine Prüf-App zur Prüfung des Impfprüftokens geben. Damit kann der Impfstatus ähnlich wie ein Barcode eines Flug- oder Bahntickets dann gescannt werden«, heißt es aus Spahns Ministerium. Besitze jemand kein Smartphone, werde es alternativ immer möglich bleiben, den Nachweis mit einem analogen Impfpass zu erbringen, hebt das BMG hervor. Den Datenschutz will Spahn sicherstellen, indem der digitale Impfnachweis »kryptographisch vor Veränderungen geschützt und gleichzeitig an ein Smartphone gebunden« ist.

Zwar soll ab Januar 2022 die Dokumentation von Impfdaten ohnehin sicher über die elektronische Patientenakte (EPA) laufen, aber diese Möglichkeit kommt natürlich für die aktuelle Coronavirus-Krise deutlich zu spät. Nach BMG-Angaben soll die Lösung mit dem digitalen Impfnachweis »eine zusätzliche Möglichkeit« darstellen, um etwa Impfzeitpunkt und Impfstoff zu dokumentieren und diese Information auf dem Smartphone zu hinterlegen.

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