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Statine
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Auslöser für Muskelschmerzen identifiziert

Kanadische Wissenschaftler haben womöglich entschlüsselt, wie es unter einer Statintherapie bei manchen Patienten zu Muskelschmerzen kommt. Sie konnten zeigen, dass Atorvastatin die Calcium-Freisetzung in der Skelettmuskulatur blockiert.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 09.01.2026  14:30 Uhr
Auslöser für Muskelschmerzen identifiziert

Bei Statinen haben Apotheker sofort eine Nebenwirkung im Kopf: Myopathie, also Schmerzen in der Skelettmuskulatur. Ihre Prävalenz ist durchaus umstritten. In seltenen Fällen kann es zu einer Rhabdomyolyse, also dem Zerfall der quergestreiften Muskulatur kommen. Der Mechanismus der Schmerzentstehung war bislang unklar.

Kürzlich im Fachjournal »Nature Communications« veröffentlichte Daten legen nahe, dass Ryanodinrezeptoren vom Typ 1 (RyR1) in der Skelettmuskulatur auch als Target für Atorvastatin dienen. Ein Team um Dr. Steven Molinarolo von der University of British Columbia in Vancouver konnte in kryoelektronenmikroskopischen Untersuchungen von Skelettmuskelzellen von Kaninchen und Schweinen Hinweise auf den Angriffspunkt ausmachen.

Direkte Interaktion von Atorvastatin

RyR1 ist ein Ionenkanal, der im sarkoplasmatischen Retikulum lokalisiert ist. Durch Kopplung mit dem L-Typ-Calciumkanal CaV1.1 öffnet sich der RyR1-Rezeptor. In geöffnetem Zustand strömt Calcium aus und es kommt zur Kontraktion des Muskels.

Atorvastatin scheint ebenfalls in der Lage zu sein, direkt an den Rezeptor zu binden. Dabei bindet zunächst ein Molekül und initiiert die Rezeptoröffnung. Anschließend binden zwei weitere Moleküle – sowohl an RyR1 als auch an die benachbarten Statin-Moleküle, wodurch das Öffnen der Pore ausgelöst wird. Allerdings verkeilen sie dadurch den offenen Rezeptor, so dass sich dieser nicht mehr schließen kann.

Interessanterweise bindet Atorvastatin mit seiner hydrophoben Domäne an den RyR1-Rezeptor – die Bindung an die HMG-CoA-Reduktase, die für den cholesterolsenkenden Effekt verantwortlich ist, erfolgt über die hydrophile 3,5-Dihydroxy-Heptansäuregruppe. Über eine Modifikation der Statine könne daher das Risiko für muskuläre Nebenwirkungen vermieden werden, schreiben die Wissenschaftler.

Doch warum hat nur ein Teil der Patienten Probleme? Mehrere Fallstudien legen nahe, dass bei Patienten mit Statin-induzierter Myopathie eine RyR1-Mutation vorliegt. Solche Mutationen könnten besonders anfällig für das Auftreten von Myopathien machen. Das erklärt, warum nur ein Teil der Patienten tatsächlich Myopathien entwickelt.

Eine Studie der Arbeitsgruppe um Paul J. Isackson von der State University of New York in Buffalo aus dem Jahr 2018 unterstrich die Vermutung. Die Forschenden identifizierten bei 16 Prozent der untersuchten Patienten mit schwerer Statin-induzierter Myopathie 12 Mutationen innerhalb der Gene für RYR1 und CaV1.1. Statin-tolerante Kontrollgruppen wiesen nur ein Viertel dieser pathogenen Varianten auf.

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