Pharmazeutische Zeitung Online
AMK

Gen-Schere ist wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres

22.12.2015
Datenschutz bei der PZ

Gen-Schere ist wissenschaftlicher Durchbruch des Jahres

dpa / Eine biochemische Methode für die gezielte Bearbeitung von Genen ist nach Einschätzung des Fachjournals »Science« der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2015: Die Crispr genannte Gene-Editing-Technik ermöglicht es, das Erbgut sämtlicher Organismen – Bakterien, Tiere, Pflanzen und Menschen – zu verändern.

 

Während zuvor jeweils spezialisierte Werkzeuge kreiert werden mussten, um Ziel-Gene zu verändern, ist Crispr quasi eine Allzweck-Schere, die zusammen mit zwei einfachen Molekülen jede gewünschte DNA-Stelle findet.

 

Die Grundlage des Systems ist ein Enzym namens Cas9 aus Bakterien, das mithilfe eines kurzen RNA-Moleküls, der sogenannten guide-RNA, an seine Ziel-DNA-Sequenz geführt wird. Dort schneidet es die DNA, wobei Gene zerstört oder gewünschte Sequenzen eingefügt werden können. Entwickelt hat die Methode unter anderem Professor Dr. Emmanuelle Charpentier, die seit 1. Oktober Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie ist.

 

Mit Crispr können Forscher Gene ausschalten, defekte durch intakte DNA-Teile ersetzen oder neue Gen­sequenzen einfügen. Das einfache und preisgünstige Verfahren ist drei Jahre alt. In diesem Jahr hätten nun gleich drei Studien das Potenzial von Crispr verdeutlicht, begründet »Science« den ersten Platz: so etwa der Ansatz, Insekten derart zu verändern, dass sie keine Krankheiten mehr übertragen können. Viel Kritik ernteten hingegen chinesische Forscher, die mit Crispr einen Embryo gentechnisch verändert hatten. /

Mehr von Avoxa