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Schwaches Herz

Körperliches Training hilft

19.12.2017
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Von Nicole Schuster / Neben der bekannten Herzschwäche infolge einer reduzierten Auswurfleistung gibt es auch eine isolierte ­Störung der Diastole. Die pharmazeutischen Möglichkeiten zur Behandlung sind hier begrenzt. Als Mittel der Wahl gelten ­Bewegung und ein gesunder Lebensstil.

Bei einer Herzinsuffizienz ist das Organ nicht mehr in der Lage, Zellen und Gewebe ausreichend mit sauerstoff­reichem Blut zu versorgen. Von der Krankheit sind in Deutschland etwa zwei bis drei Millionen Menschen betroffen. Circa die Hälfte der mehr als 70-jährigen Patienten leidet an einer isolierten diastolischen Herzschwäche.

Bei der Herzarbeit sind die Füllungsphase (Diastole) und die Auswurfphase (Systole) zu unterscheiden. Beide Funktionen können gestört sein und bedingen zu etwa gleichen Anteilen eine Herzschwäche. »Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion wird erst seit Anfang der 2000er-Jahre als eigene Erkrankung wahrgenommen«, sagt Dr. Achim Lother, Internist am Herzzentrum der Universität Freiburg, der PZ. Anders als bei der bekannteren systolischen Insuffizienz ist dabei zwar die Auswurfleistung normal, gestört ist allerdings die Füllungsphase. Es besteht eine nur eingeschränkte Dehnbarkeit des Herzmuskels. In der Folge kann das Herz nur eine verringerte Blutmenge aufnehmen und es resultieren ein Druckanstieg im linken Vorhof sowie ein Rückstau in den Lungenkreislauf. Eine gefährliche Komplikation ist das Lungenödem.

 

Leitsymptom Atemnot

 

»Der zunächst gebräuchliche Begriff diastolische Herzinsuffizienz wird nicht mehr verwendet, da auch bei Herz­insuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion häufig eine diastolische Funktionsstörung vorliegt«, erklärt der Experte. Stattdessen spricht man von Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejek­tionsfraktion (Heart Failure with preserved Ejection Fraction, HFpEF). Neben Atemnot als Leitsymptom klagen Patienten über eine nachlassende Leistungsfähigkeit, rasche Erschöpfung, Beinödeme und Beklemmungsgefühle.

 

Häufige Ursachen dafür, dass sich der Herzmuskel nicht mehr gut dehnen lässt, sind Bluthochdruck, der eine Herzwandverdickung (Hypertrophie) und Bindegewebsvermehrung (Fibrose) verursachen kann, sowie Herz­erkrankungen in der Vorgeschichte. Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion tritt bevorzugt in ­höherem Alter und bei Frauen auf. »Sie ist eng mit Risikofaktoren wie hohem Alter, Diabetes mellitus, arterieller Hyper­tonie oder Niereninsuffizienz verknüpft«, so Lother.

 

Welche Art der Herzschwäche vorliegt, ist ausschlaggebend für die Therapie. Eine sorgfältige Differenzial­diagnose durch den Arzt ist wichtig, denn allein anhand der Symptome lassen sich beide Formen nicht unterscheiden. Dabei spielt die Echokardiografie eine wichtige Rolle. Liegt der Anteil ausgeworfenen Blutes unter 40 Prozent spricht man von einer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, der klassischen systolischen Herzschwäche. »Bei einer Ejektionsfraktion von mehr als 50 Prozent und gleichzeitig vorliegenden strukturellen Veränderungen oder eingeschränkter diastolischer Funktion haben wir es mit einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion zu tun«, erklärt Lother. Bleiben Zweifel, kann der Arzt noch eine Herzkatheter-Untersuchung vornehmen und damit einen erhöhten enddiastolischen Druck nachweisen. »In der klinischen Praxis sind die echokardiografischen Kriterien jedoch in der Regel ausreichend«, weiß der Experte.

 

Die medikamentösen Optionen sind bei der HFpEF rasch erschöpft. »Pharmakologische Therapieansätze wie ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten oder Betablocker haben in klinischen Studien keinen signi­fikanten Überlebensvorteil gezeigt«, berichtet der Internist. Auch das noch relativ neue Doppel­molekül Sacubitril/Valsartan ist bisher nur bei reduzierter Auswurfleistung zugelassen. Die Suche nach geeigneten Arzneimitteln geht aber weiter.

 

Gegenstand der Forschung

»Sacubitril/Valsartan, Phosphodiesterase-Inhibitoren und Aktivatoren der Guanylatcyclase werden derzeit in großen Studien untersucht«, berichtet ­Lother. Eine methodisch allerdings umstrittene Phase-III-Studie deutet darauf hin, dass sich Spironolacton bei Patienten, die an einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion im fortgeschrittenen Stadium leiden, möglicherweise günstig auf die Hospitalisierungsrate auswirkt (DOI: 10.1056/NEJM oa1313731 und DOI: 10.1007/s11883-015-0541-6). Andere Diuretika können die Symptome lindern. »Als wichtigste Maßnahme gilt jedoch zurzeit die Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren und die Behandlung von Begleit­erkrankungen wie Diabetes oder Niereninsuffizienz«, sagt Lother.

 

Um Lebensqualität und -zeit zu ­gewinnen, spielen eine ausgewogene Ernährung und Ausdauertraining eine essenzielle Rolle. Patienten sollten nach Rücksprache mit dem Hausarzt beziehungsweise Kardiologen zwei- bis dreimal wöchentlich für mindestens 30 Minuten so trainieren, dass sich der Puls dabei auf Werte zwischen 110 und 130 Schlägen pro Minute beschleunigt. Es bieten sich Radfahren, Schwimmen oder Walking an. Ideal ist ein unterstützendes Krafttraining einmal wöchentlich. Betroffene steigern mit dem regelmäßigen Training ihre Leistungsfähigkeit und das subjektive Wohlbefinden. Die diastolische Funktion kann sich verbessern und der vergrößerte linke Vorhof verkleinern.

 

In Zukunft könnte ein Implantat die Therapieoptionen erweitern. Ärzte schaffen dabei mit einem per Katheter implantierten Shunt eine künstliche Verbindung zwischen dem linken und dem rechten Herzvorhof und ermöglichen dadurch einen Blutfluss. Die Druckbelastung im Lungenkreislauf sinkt. Das Medizinprodukt erwies sich in einer Phase-II-Studie als sicher und als wirksame Maßnahme, um eine funktionelle Verbesserung gemäß der NYHA-Klassifikation, eine erhöhte Lebensqualität sowie eine längere Gehzeit im Sechs-Minuten-Gehtest zu erreichen. Der Shunt erhielt bereits im Mai 2016 in Europa eine CE-Zertifizierung, eine Zulassung in den USA wurde noch nicht erteilt (DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.032094). /

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