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Läuse-Shampoos

Studien zur Wirksamkeit

21.12.2016
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Läuse-Shampoos überzeugen durch kurze, einfache Anwendung. Doch an der Wirksamkeit bestanden bisher Zweifel, weil klinische Daten fehlten. Zu zwei Produkten wurden dieses Jahr entsprechende Studien veröffentlicht.

Bei Kopflausbefall ist rasches Handeln angesagt. Gerne lassen sich Eltern von betroffenen Kindern dann in der Apotheke zu Therapieoptionen beraten. Wirksam und sicher sollten die Präparate sein und möglichst auch einfach in der Anwendung. Letzteres bieten Läuse-Shampoos aufgrund ihrer kurzen Einwirkzeiten. Sie werden einmassiert, für 10 bis 15 Minuten im Haar gelassen und dann wie andere Shampoos ausgespült. Da aber die Wirksamkeit der Produkte bislang als unbelegt galt, fielen sie in Untersuchungen, zum Beispiel von »Ökotest«, durch. Nun können zwei Hersteller klinische Daten zur Wirksamkeit ihrer Produkte vorlegen.

Die Wirksamkeit des Läuse-Shampoos Licener® untersuchten Forscher um Professor Dr. Fathy Abdel-Ghaffar von der Kairo Universität in Gizeh, Ägypten. Für ihre Studie identifizierten sie 65 Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren mit bestätigtem Kopflausbefall in einem Dorf im Nordwesten der Provinz Gizeh. Alle Mütter der Kinder erhielten eine Einweisung in die Benutzung eines Läusekamms und des Licener Shampoos. Nach Feststellung des Befallgrades wendeten die Mütter einmalig das Produkt bei ihren Kindern laut Anweisungen des Beipackzettels an.

 

Sorgfältig auskämmen

 

Nach der Behandlung kontrollierten die Wissenschaftler des Teams die Köpfe auf lebende Läuse. Hierfür kämmten sie die Haare der Probanden aus, fingen die Tiere auf und untersuchten diese auf Lebenszeichen. Alle Tiere waren immobil und zeigten eine Stunde nach der Behandlung keine Konstriktion des Darms mehr, weshalb sie als tot gelten. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Parasitology Research« (2016, DOI: 10.1007/s00436-016-5202-3).

 

Bei Kontrollen an den Tagen fünf und neun nach der Therapie wurden keine lebenden Tiere mehr gefunden. Bei einer weiteren Nachuntersuchung 11 bis 15 Tage nach der Behandlung wurden bei zwei Probanden lebende adulte Weibchen gefunden. Da es sich um erwachsene Tiere handelte, gehen diese vermutlich auf einen erneuten Befall zurück, schreiben die Autoren. Läuse benötigen etwa sieben bis zehn Tage, um aus dem Ei zu schlüpfen, und weitere neun Tage, um sich zu einem geschlechtsreifen Tier zu entwickeln.

 

Insgesamt bestätigten die Ergebnisse die Daten aus In-vitro-Untersuchungen, denen zufolge eine einzige Anwendung des Produkts die Tiere in allen Stadien der Entwicklung – Eier, Larven und Adulte – abtötet, so die Autoren. Licener Shampoo enthält einen Extrakt aus entölten Neem-Samen. Den Angaben des Herstellers zufolge dringt das sehr flüssige Produkt in das Atmungssystem der Tiere, die Tracheen, ein und blockiert die Sauerstoffaufnahme. Zudem trocknet es die Tiere und ihre Eier aus.

 

Auch für das Produkt Mosquito® med Läuse Shampoo 10 wurden in diesem Jahr klinische Daten veröffentlicht. Das Mineralöl-basierte Medizin­produkt testeten Forscher um Luise Wolf vom Auftragsforschungsinstitut Cardio­sec in Erfurt in einer Vergleichsstudie mit dem Pyrethrum-basierten Präparat Goldgeist® Forte solution. Eingeschlossen wurden insgesamt 107 Kinder, die älter als ein Jahr waren und einen nachgewiesenen Kopflausbefall aufwiesen. 53 Probanden erhielten zwei Behandlungen mit dem Läuse-Shampoo, die restlichen 54 Kinder wurden zweimal mit dem Vergleichsprodukt behandelt. Die Therapien erfolgten jeweils nach Anweisungen der Packungsbeilage im Abstand von einer Woche.

 

Die Heilungsraten waren in beiden Gruppen hoch, berichten die Forscher im Fachjournal »Plos one« (DOI: 10.1371/journal.pone.0156853). 24 Stunden nach der ersten Behandlung waren 90 Prozent der Probanden in der Shampoo-Gruppe und 80 Prozent in der Vergleichsgruppe läusefrei. An Tag zehn betrug diese Rate 94 Prozent versus 90 Prozent. Beide Produkte wurden gut vertragen, wobei bei einigen Probanden mildes Brennen und Juckreiz auftraten. Unerwünschte Ereignisse wie Kopfschmerz und Erythem traten bei insgesamt acht Probanden auf.

 

Erste Belege

Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main war wissenschaftlicher Berater der Zeitschrift »Ökotest« beim Test der Läuse-Shampoos im Jahr 2015. Er weist darauf hin, dass zur Behandlung des Kopflausbefalls die Anwendung eines vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geprüften und in der Entwesungsmittelliste aufgeführten Arzneimittels oder Medizinprodukts empfohlen werden kann. Hier sind neben Allethrin- und Permethrin-haltigen Präparaten auch die zwei Dimeticon-basierten Medizinprodukte Nyda® und Jacutin Pedicul® Fluid gelistet (»Bundesgesundheitsblatt« 2016, DOI; 10.1007/s00103-016-2326-7). Letztere wirken rein physikalisch und enthalten kein Insektizid, weshalb sich gegen diese keine Resistenzen bilden können. Die Dimeticon-basierten Produkte gelten als Mittel der Wahl.

 

Alle übrigen Antiläusemittel müssen nicht zwangsläufig als unwirksam eingestuft werden, so Schubert-Zsilavecz gegenüber der PZ. »Allerdings sollten belastbare Daten vorliegen, die die Wirksamkeit aufzeigen.« Seine Einschätzung zu den vorgelegten Studien: »Die Daten sind für einen ersten Wirksamkeitsbeleg ausreichend.« /

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