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DiRECT-Studie

Radikale Diät heilt Typ-2-Diabetes

13.12.2017
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Von Daniela Hüttemann / Mithilfe einer strikten Diät, angeleitet durch die Hausarztpraxis, lässt sich ein Typ-2-Diabetes weghungern. Das legen die Daten des Diabetes Remission Clinical Trial (DiRECT) nahe, die nun im Fachjournal »The Lancet« veröffentlicht wurden.

Anders als dem Typ-1-Diabetes liegt dem Typ-2-Diabetes nicht primär eine Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zugrunde. Mediziner gehen aber derzeit davon aus, dass auch ein langfristiger Typ-2- Diabetes die Betazellen des Pankreas dauerhaft zerstört und die Diabetes-Erkrankung dadurch irreversibel wird.

In frühen Stadien scheint die metabolische Erkrankung sich jedoch rückgängig machen zu lassen, wie man von Patienten nach Magenentfernung oder -verkleinerung weiß. Dies setzt jedoch eine drastische Gewichtsreduktion voraus, die bislang allein mit einer Lebensstil-Umstellung nur in sehr seltenen Fällen erreicht werden konnte.

 

An der DiRECT-Studie nahmen 298 britische, stark übergewichtige, nicht Insulin-pflichtige Typ-2-Diabetiker im Alter von 20 bis 65 Jahren teil, deren Diagnose höchstens sechs Jahre zurücklag. Sie wurden entweder herkömmlich leitliniengerecht von ihrer Hausarzt­praxis betreut oder führten die Diät »Counterweight Plus« durch. Dabei erhielten die Probanden zunächst über drei bis sechs Monate ausschließlich standardisierte Nährlösungen mit einem Kaloriengehalt von 825 bis 853 kcal pro Tag. Zudem wurden alle Antidia­betika und Antihypertonika abgesetzt. Auf Sport sollten die Probanden zunächst verzichten. Anschließend wurde unter Anleitung einer Diätassistentin oder geschulten Arzthelferin schrittweise über zwei bis acht Wochen eine kalorienarme Kost eingeführt. Zudem wurden die Teilnehmer dann zu Bewegung animiert und erhielten eine kognitive Verhaltenstherapie.

 

Ziel war es, mindestens 15 kg Körpergewicht zu verlieren. Das schafften 36 Probanden der Interventionsgruppe und niemand unter herkömmlicher Behandlung. Die Teilnehmer im Interventionsarm verloren im Schnitt 10 kg Körpergewicht gegenüber 1 kg in der Vergleichsgruppe, berichten die Autoren um Professor Dr. Michael Lean von der Universität Glasgow (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)33102-1).

 

Diabetes in Remission

 

Weiteres Ziel war eine Remission des Diabetes, definiert als ein HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent nach mindestens zwei Monaten ohne Antidiabetika. Das erreichten 68 Patienten mithilfe der ­unterstützten Diät (46 Prozent) gegenüber sechs Patienten in der Kontrollgruppe (4 Prozent). Je mehr ­Kilos die Probanden verloren, umso höher war die Chance auf eine Diabetes-Remission. Insgesamt gingen 7 Prozent der Patienten, die 0 bis 5 kg abgenommen hatten, in Remission, 34 Prozent derjenigen mit einem Gewichtsverlust von 5 bis 10 kg, 57 Prozent derjenigen mit 10 bis 15 kg weniger Körpergewicht und 86 Prozent derjenigen, die mehr als 15 kg abgenommen hatten. Zudem war nur noch die Hälfte der vormaligen Hyper­toniker auf blutdrucksenkende Arzneimittel angewiesen.

 

Während sich die Lebensqualität in der Interventionsgruppe deutlich verbesserte, nahm sie in der Kontroll­gruppe leicht ab. Schwere Nebenwirkungen der strengen Diät traten bei insgesamt sieben Patienten auf, darunter eine Gallenkolik, die vermutlich auf die Diät zurückzuführen ist. Einige Probanden litten unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Verstopfung. Die Abbrecher-Quote lag bei 21 Prozent, wobei die Gründe den Angaben zufolge meist nicht an der strengen Diät, sondern sozialen Umständen wie Umzug, Trauerfall oder Jobverlust lagen. Sie wurden als Therapieversager in die Studie mit eingerechnet.

 

Ergebnis langfristig sichern

 

Die große Herausforderung sei nun, das Gewicht zu halten, so die Autoren. Gewichts- und HbA1c-Entwicklung sollen nach vier Jahren nochmals ausgewertet werden. Die Ergebnisse könnten die Behandlung des Typ-2-Diabetes revolutionieren, mutmaßt Seniorautor Professor Dr. Roy Taylor von der Universität Newcastle. Wichtig seien jedoch ein langfristiges Gewichts­management und Bewegung, betont Lean. /

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