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HIV

Tabletten vor dem Sex schützen vor Infektionen

08.12.2015
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Von Annette Mende / Männer, die Sex mit Männern haben, können sich vor einer HIV-Infektion schützen, indem sie das antiretrovirale Kombipräparat Truvada® bei Bedarf vor und nach dem Sex einnehmen.

 

In einer jetzt im »New England Journal of Medicine« erschienen Studie reduzierte die sogenannte On-Demand-Präexpositionsprophylaxe die Infek­tionsrate um 86 Prozent (DOI: 10.1056/NEJMoa1506273). 

Das ist eine der höchsten Schutzraten, die bislang mit einer Intervention erzielt werden konnten. Die Autoren um Dr. Jean-Michel Molina vom Hôpital Saint-Louis in Paris führen das darauf zurück, dass bei früheren Studien zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) diese kontinuierlich angewendet werden musste, was die Probanden häufig unterließen. Die On-Demand-PrEP sehen sie daher als vielversprechende Mög­lichkeit, um die HIV-Infek­tionsrate bei Risikopersonen zu senken.

 

Einnahme bei Bedarf

 

An der vorliegenden Studie hatten 400 nicht HIV-infizierte Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), in Frankreich und Kanada teilgenommen. Sie wurden zunächst in einem Gespräch über die Risiken der HIV-Infektion aufgeklärt und erhielten Kondome sowie Tabletten, die entweder 200 mg Emtricitabin und 300 mg Tenofovirdisoproxilfumarat enthielten oder keinen Wirkstoff. Diese Tabletten hatten die Probanden laut Anweisung vor und nach dem Sex einzunehmen. Die Aufteilung in Verum- und Placebogruppe erfolgte doppelblind und randomisiert. Dies erschien ethisch gerechtfertigt, da die PrEP in einer früheren Studie mit MSM nur eine moderate Wirksamkeit gezeigt hatte.

 

Nach neun Monaten hatten sich insgesamt 16 Männer mit HIV infiziert, 14 in der Placebo- und zwei in der Truvada-Gruppe. Die beiden Infizierten im Truvada-Arm gaben bei Studienende jedoch fast alle ausgegebenen Tabletten zurück und in ihrem Blut war kein Wirkstoff nachweisbar, sodass die Autoren davon ausgehen, dass die Betroffenen das Medikament gar nicht eingenommen hatten. Bei keinem der 16 Infizierten lag eine Resistenz gegen die Studienmedikation vor. Schwere Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen gleich häufig. Unter Truvada kam es häufiger zu gastrointestinalen Beschwerden und einem Anstieg der Serumkreatitin-Werte.

 

Streng genommen lässt sich anhand dieses Ergebnisses keine Aussage über die Wirksamkeit der On-Demand-PrEP über einen längeren Zeitraum und mit weniger als den in der Studie durchschnittlich verbrauchten 15 Tabletten im Monat treffen. Angesichts der hohen Schutzrate, die vermutlich auf einer besseren Akzeptanz dieses Regimes im Vergleich zu anderen Präventionsmaßnahmen beruht, könnte die Einnahme bei Bedarf aber durchaus für alle MSM mit erhöhtem Infektionsrisiko infrage kommen. Zunächst einmal wäre aber in jedem Fall ein Off-Label-Einsatz, da Truvada in den USA lediglich zur kontinuierlichen PrEP und in Europa in dieser In­dikation gar nicht zugelassen ist. /

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