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Gesundheitsbericht

So gesund ist Deutschland

09.12.2015  09:21 Uhr

Von Stephanie Schersch, Berlin / Die Deutschen leiden häufiger an Diabetes und sterben seltener an Krebs. Das geht aus dem Bericht »Gesundheit in Deutschland« hervor, den das Robert-Koch-­Institut (RKI) vergangene Woche in Berlin vorgestellt hat. Die Lebens­erwartung ist demnach stark mit dem sozialen Status verknüpft.

Dem Bericht zufolge sorgen Fortschritte in Therapie und Prävention etwa seit Mitte der 1990er-Jahre für sinkende Sterblichkeitsraten bei den meisten Krebsarten. Ähnlich sieht es bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Sie bleiben zwar mit knapp 40 Prozent die häufigste Todesursache in Deutschland, allerdings überleben heute mehr Menschen einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als noch vor einigen Jahren.

Die meisten Deutschen fühlen sich vergleichsweise gesund: Etwa drei Viertel von ihnen bewerten ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Trotzdem bleiben die Herausforderungen groß. Sorge bereitet den Studienautoren vor allem die Verbreitung von Diabetes. Dem Bericht zufolge leben hierzulande rund 6,7 Millionen Menschen mit der Erkrankung, viele von ihnen, ohne es zu wissen.

 

Jeder Vierte ist adipös

 

RKI-Präsident Lothar Wieler führt diese Entwicklung zum Teil auf den demografischen Wandel zurück, denn mit zunehmendem Alter wächst das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Gründe könnten aber auch eine verbesserte Früherkennung und die Zunahme bestimmter Risikofaktoren wie starkes Übergewicht sein, sagte er. Laut Studie sind hierzulande jeder vierte Erwachsene und etwa 6 Prozent der Kinder adipös. Immerhin treten Diabetes-Folgeerscheinungen wie Erblindung und Amputationen seltener auf als früher.

 

Experten fordern angesichts steigender Fallzahlen bereits seit Jahren eine nationale Diabetesstrategie für Deutschland. Zu einem solchen Aktionsplan konnte sich die Politik bislang jedoch nicht durchringen. Jetzt soll am RKI immerhin ein sogenanntes Diabetes-Überwachungssystem entstehen, das verlässliche Daten zur Ausbreitung der Krankheit und damit die Grundlage für mögliche gesundheitspolitische Entscheidungen liefern soll. Zudem will das Bundesministerium für Gesundheit die Bevölkerung besser aufklären.

 

Frauen und Männer aus einem sozial schwachen Umfeld erkranken der Studie zufolge vergleichsweise häufig an Diabetes. »Der soziale Status ist entscheidend«, sagte Wieler. Das gilt offenbar ganz grundsätzlich mit Blick auf den Gesundheitszustand. So sterben Frauen mit sehr niedrigem Einkommen im Schnitt acht Jahre früher als Frauen, die finanziell gut aufgestellt sind. Bei Männern beträgt dieser Unterschied sogar elf Jahre.

 

Der Einfluss der sozialen Lage auf die Gesundheit wird laut Wieler bereits in jungen Jahren deutlich. Kinder aus sozial schwachen Familien zeigen demnach deutlich häufiger psychische Auffälligkeiten als ihre besser situierten Altersgenossen (34 Prozent versus 10 Prozent).

 

Mehr Lebensjahre

 

Insgesamt ist die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Heute geborene Mädchen können im Schnitt mit 82,7 Lebensjahren rechnen. Jungs werden immerhin 77,7 Jahre alt. Damit liegt Deutschland in etwa im europäischen Mittel (Frauen: 83,2 Jahre, Männer: 77,4 Jahre).

 

Das RKI hat den Gesundheitsbericht nach 1998 und 2006 bereits zum dritten Mal herausgegeben. Es handelt sich dabei um die vermutlich umfassendste Datensammlung zum Gesundheitszustand und der Versorgung in Deutschland. Rund 130 Wissenschaftler haben drei Jahre lang an dem etwa 500  Seiten starken Report gearbeitet. Er stützt sich im Wesentlichen auf breit angelegte Studien des Robert-Koch-Instituts, aber auch auf Umfragen, statistische Analyse sowie Daten verschiedener Krankenkassen. /

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