Pharmazeutische Zeitung online
Masern

Ausbruch offenbart Lücken im System

09.12.2015
Datenschutz bei der PZ

Von Christina Müller / Im vergangenen Jahr registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) die höchsten Masernfallzahlen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001. Der Ausbruch in Berlin macht deutlich: Masernerkrankungen sind in Deutschland nach wie vor sowohl möglich als auch potenziell lebensbedrohlich.

Zwischen Oktober 2014 und August 2015 infizierten sich mehr als 1300 Menschen in der Hauptstadt mit dem Masernvirus, ein Kleinkind starb Jeder vierte Betroffene erkrankte so schwer, dass eine stationäre Behandlung erforderlich wurde. Die höchste Erkrankungsrate fand sich bei Kindern unter einem Jahr, bei denen gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) noch kein Impfschutz vorliegen kann.

Das ist besonders bedenklich, da sehr kleine Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko für potenziell lebensbedrohliche Komplikationen wie Meningoenzephalitiden haben, betont das RKI im »Epidemiologischen Bulletin« (DOI: 10.17886/EPIBULL-2015-018). Vorhandene Impflücken sollten daher so schnell wie möglich geschlossen werden, um etwa Säuglinge und Kleinkinder zu schützen. Auch der Berliner Impfrat appelliert: Jeder, der ein Kind unter einem Jahr auf den Arm nimmt, sollte gegen Masern geimpft sein.

 

Aus Sicht des RKI hätte dadurch der Tod des Jungen aus Berlin möglicherweise verhindert werden können. Es sei anzunehmen, dass »gerade dieses Kind von der eigenen Masernimpfung und/oder einer Herdenimmunität gegen Masern profitiert hätte«. Die Masern könnten mit einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent sogar gänzlich ausgerottet werden. Die erforderliche Impfquote wird laut Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen bislang aber von keinem Bundesland erreicht.

 

Die STIKO rät, Kinder zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat erstmals gegen Masern impfen zu lassen. Vor dem zweiten Geburtstag sollte die Immunisierung wiederholt werden. Bei Aufnahme in eine Kita kann die erste Impfung schon ab einem Alter von neun Monaten erfolgen, als Postexpositionsprophylaxe ist sie bereits bei Kindern ab sechs Monaten möglich. Exponierte Säuglinge, die jünger sind als ein halbes Jahr, sollten eine passive Immunisierung erhalten. /

Mehr von Avoxa