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Auslandspraktikum

Zu Gast im Land der aufgehenden Sonne

09.12.2014
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Von Cornelius Hermann und Anna Mütterlein, Tokio / Das Beste kommt zum Schluss: Diese Redewendung hat sich bei uns, zwei Studenten des ehemaligen achten Semesters an der Uni Würzburg, bewahrheitet. Kurz nachdem wir unsere letzten Klausuren geschrieben und noch bevor die Prüfungen für das Zweite Staatsexamen begonnen haben, absolvierten wir einen Monat lang ein Praktikum an der Hoshi University in Tokio. Ein Erfahrungsbericht.

Zwischen dem pharmazeutischen Institut der Universität Würzburg und der Hoshi University besteht seit dem Jahr 2013 eine Partnerschaft. Verschiedene gemeinsame Projekte sind in Planung und um ein Konzept für eine langfristige Kooperation auszuarbeiten, sind im vergangenen Sommer jeweils zwei Professoren, Doktoranden und Studenten des pharmazeutischen Instituts Würzburg nach Japan gereist.

 

Klare Aufgabenteilung

 

Die Forschung auf molekularer Ebene, beispielsweise die Synthese eines Proteins und die Optimierung dessen Bioverfügbarkeit, liegt dabei im Aufgabenbereich der Würzburger Wissenschaftler. Die Kollegen in Japan sind dagegen vor allem für Pharmakokinetik und -dynamik, die mithilfe von Versuchstieren und passenden Parametern ermittelt werden, zuständig. Im Vorfeld wurden wir Studenten je einem Forschungsprojekt zugeteilt. Unsere Themen beschäftigten sich zum einen mit der Morphinsynthese unter Zuhilfenahme von Bakterien, zum anderen mit der pulmonalen Freisetzung von IGF-l, einem Protein, das bei diabetischer Neuropathie wirksam ist. Wir hatten jeweils einen Ansprechpartner, der sich in Würzburg mit dem entsprechenden Thema intensiver auseinandergesetzt und uns Literatur zur Verfügung gestellt hat. So konnten wir uns in die Thematik einlesen und uns mit dem aktuellen Forschungsstand in Würzburg vertraut machen. Auch auf die fremde Kultur haben wir uns mit einem gemeinsamen Besuch im Würzburger Siebold-Museum, zahlreichen Reiseführern und Büchern vorbereitet, sodass der erwartete Kulturschock ausblieb.

 

Am Tag nach unserer Ankunft wurde uns von unseren japanischen Gastgebern die Universität gezeigt und wir wurden den verschiedenen Arbeitskreisen der Universität vorgestellt. Die Begrüßung war sehr herzlich und die Japaner schienen gut auf uns vorbereitet zu sein. Die Verständigung erfolgte auf Englisch. Manchmal kam es zu Missverständnissen, aber unter Zuhilfenahme von Händen und Übersetzungsprogrammen war die Kommunikation dann meistens doch gut möglich.

 

Arbeit an der Uni

Wir durften uns in verschiedenen Laboren umsehen und konnten uns so einen guten Überblick über die an der Hoshi Universität verfügbaren Möglichkeiten verschaffen. Knapp 2000 Studenten der pharmazeutischen Wissenschaften studieren dort in mehr als 20 Laboren. Promotionsstudenten erklärten uns auch die Arbeit mit Tiermodellen. Da dieser Bereich in unserem Studium nicht praktisch behandelt wurde, war es sehr interessant, dieses neue Gebiet der Pharmazie kennenzulernen.

 

Im Interesse einer Fortsetzung der Partnerschaft mit der japanischen Uni haben wir uns im Auftrag von Professor Dr. Lorenz Meinel von der Uni Würzburg auch in das Thema Interleukin-4 (IL-4) und dessen Effekte auf weißes Fettgewebe eingearbeitet. Nachdem wir uns mithilfe einiger Papers einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand im Hinblick auf IL-4 und dessen Effekte auf Makrophagen und Adipocyten verschafft haben, haben wir dazu einen kurzen Überblick auf Englisch verfasst.

 Abschließend wurde eine Präsentation erstellt, um auch die Masterstudenten, Promotionsstudenten und Professoren der japanischen Universität auf das Thema vorzubereiten und die Zusammenarbeit an diesem Projekt einzuleiten. Zudem konnten wir nach ausführlicher Einleitung durch Meinel das Projekt vor dem Arbeitskreis, mit dem die Kooperation geplant ist, präsentieren. Im Anschluss wurde gemeinsam ein Plan für das IL-4-Projekt ausgearbeitet. Die Zusammenarbeit soll im Jahr 2015, nach erfolgreichem Abschluss des IGF-l-Projektes, starten.

 

Tempel, Tower und Shinkansen

 

Neben der Arbeit an der Uni hatten wir auch die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen. An zwei Tagen hatten wir das große Glück, von Ortskundigen durch Tokio geführt zu werden. Wir haben unter anderem unser Schicksal am ältesten buddhistischen Tempel in Asakusa »bestimmt«, den Garten des Kaiserpalastes besichtigt, die große Kreuzung in Shibuya überquert und die Aussicht vom Tokio Tower über die nächtliche Großstadt genossen.

 

Die Wochenenden wurden für Ausflüge innerhalb Japans genutzt. So sind wir unter anderem mit dem Schnellzug Shinkansen in die ehemalige Hauptstadt Kyoto gereist und an einem anderen Wochenende nachts auf den Fujisan, Japans Nationalsymbol, gewandert, um den Sonnenaufgang zu bewundern.

Alles in allem hat uns die Reise pharmazeutisch sehr gefordert, da wir sowohl praktisch als auch theoretisch gearbeitet haben. Dabei durften wir stets auf die Unterstützung von Studenten und Professoren hoffen. Darüber hinaus konnten wir uns auch kulturell durch die Zusammenarbeit mit den Japanern weiterentwickeln. Wir hoffen, dass die Kooperation noch viele Jahre erfolgreich weitergeführt werden kann, damit auch andere Studenten die Chance haben, diese außergewöhnliche Erfahrung zu machen.

 

Unser großer Dank gilt insbesondere Professor Dr. Ulrike Holzgrabe und Professor Dr. Lorenz Meinel von der Uni Würzburg, die uns dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben. Eine solche Einzelförderung im Rahmen nachhaltiger Persönlichkeits- und Karriereplanung ist keineswegs selbstverständlich und wir sind begeistert, dass man in Würzburg als Student so viel Unterstützung durch die Professoren erhält. Finanziell ermöglicht wurde das Praktikum hauptsächlich durch die Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Zudem wurden wir von der bayerischen Landesapothekerkammer unterstützt. Auch für diese finanzielle Förderung unseres Projektes, möchten wir uns ganz herzlich bedanken. /

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