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Typ-1-Diabetes

Rituximab zum Schutz der Betazellen

07.12.2009
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Von Sven Siebenand / Eine Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab kann bei neu diagnostizierten Typ-1-Diabetikern die Funktion der Betazellen in der Bauchspeicheldrüse für ein Jahr verbessern. Zu diesem Ergebnis einer Phase-II-Studie kommt das Forscherteam um Professor Dr. Jay S. Skyler vom Diabetes Research Institute an der University of Miami.

Wie die Wissenschaftler im »New England Journal of Medicine« (2009, Band 361, Seiten 2143 bis 2152) berichten, nahmen an der Studie insgesamt 87 neu diagnostizierte Typ-1-Diabetiker im Alter zwischen 8 und 40 Jahren teil. Der Nachweis von C-Peptid (ein Teil des Proinsulins, der labordiagnostisch als Marker der Betazellsekretion genutzt wird) im Blut belegte, dass bei allen Patienten noch eine Restaktivität der Betazellen und damit der körpereigenen Insulinproduktion vorhanden war.

Am 1., 8., 15. und 22. Tag der Studie erhielt ein Teil der Probanden je eine Rituximab-Infusion, während der Kontrollgruppe ein Placebo infundiert wurde. Nach einem Jahr waren die gemessenen C-Peptid-Spiegel in der Verumgruppe signifikant höher als im Kontrollarm. Zudem konnten die Wissenschaftler belegen, dass Rituximab zur Depletion von CD19-positiven B-Zellen geführt hatte. Deren Zahl stieg nach einigen Monaten zwar wieder an, lag aber mit 69 Prozent auch noch nach zwölf Monaten deutlich unter dem Ausgangswert.

 

Diese Studienergebnisse geben auch einen Hinweis auf die Pathogenese der Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes. Hatte man früher geglaubt, dass vor allem T-Zellen aus dem zellulären Arm des Immunsystems an der Zerstörung der Betazellen beteiligt sind, so zeigt diese Untersuchung, dass in diesem Fall offenbar auch die von den B-Zellen produzierten Auto-Antikörper daran beteiligt sind. Möglicherweise geschieht dies, indem die B-Zellen die Attacke der T-Zellen auf die Betazellen triggern.

 

Weitere Daten notwendig

 

Ob Rituximab jemals für die Behandlung von frisch diagnostizierten Typ-1-Diabetikern zugelassen wird, bleibt abzuwarten. Obwohl die Wissenschaftler unter Rituximab keinen Anstieg von schweren Nebenwirkungen wie Infektionen und Neutropenien beobachten konnten, muss die langfristige Verträglichkeit erst noch sichergestellt werden. Denn offensichtlich sind wiederholte Behandlungen mit dem monoklonalen Antikörper notwendig, um die residuale Insulinproduktion auch längerfristig zu verbessern. Sicher ist hingegen, dass Rituximab keine Wunderwaffe ist, die die Insulinspritze vollkommen überflüssig machen wird. /

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