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Celesio

Oesterle befürchtet Marktveränderung durch die Hintertür

11.12.2006
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Celesio

Oesterle befürchtet Marktveränderung durch die Hintertür

Von Thomas Bellartz, Stuttgart

 

Die deutsche Gesundheitspolitik treibt auch dem Management des größten europäischen Pharmagroßhändlers Sorgenfalten auf die Stirn. Trotzdem peilt die Celesio AG erneut Rekorde bei Umsatz und Ertrag an. Das sagte Vorstandschef Dr. Fritz Oesterle vor Journalisten in Stuttgart.

 

Der Konzern, der zur Spitze der im M-DAX notierten Unternehmen gehört und in Baden-Württemberg das viertgrößte Unternehmen ist, plant durch Zukäufe zu wachsen. Details behielt Oesterle allerdings für sich. Insbesondere die osteuropäischen Märkte seien von Interesse. Dort könne man interessante Margen erzielen. Zudem sei dort das Geschäft von stärkeren Wachstumsraten belebt. In Deutschland wie in Frankreich hingegen habe Celesio mit den Auswirkungen gesundheitspolitischer Entscheidungen zu kämpfen.

 

Die Politik scheint aber immer noch kein gewaltiger Bremsklotz für den Konzern zu sein, an dem die Haniel-Familie immer noch Mehrheitsaktionär ist. 2006 soll der Umsatz des Konzerns auf mehr als 21 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es 20,5 Milliarden Euro. Auch beim Ergebnis wolle man wieder kräftig zulegen, sagte der Celesio-Chef. 2005 verdiente Celesio rund 554,5 Millionen Euro vor Steuern.

 

Der Vorstandschef erwartet, dass der Gewinn in diesem Jahr prozentual stärker wachsen wird als der Umsatz. Für das laufende Jahr ging Oesterle von einem Marktwachstum von rund 5 Prozent aus. Zur Wachstumsstrategie von Celesio gehöre neben dem organischen Wachstum auch das Wachstum durch Unternehmenskäufe. Dabei gebe es für Celesio die klare Vorgabe: »Wir kaufen hinzu, wenn die Zielländer wirtschaftlich und politisch stabil sind und wenn wir die Möglichkeit sehen, eine führende Marktposition zu erreiche«, sagte Oesterle. So ist Celesio beispielsweise in Großbritannien im Besitz der größten britischen Apothekenkette und betreibt über 1500 Apotheken.

 

Das Unternehmen beobachte in Deutschland allerdings eine gefährliche Veränderung des Apothekenmarktes durch die juristische Hintertür. Wenn es um die Sicherheit und möglicherweise auch die Umgestaltung der Arzneimitteldistribution gehe, werde man sich auch weiterhin einmischen. Zurückhaltend gibt sich der Konzern mit Blick auf eine mögliche Öffnung des Apothekenmarktes für den Fremdbesitz. Sollte dies der Fall sein, bedeute das nicht, dass Celesio in kürzester Zeit eine eigene Kette betreiben könne, entgegnete Oesterle. Man werde ebenso verfahren, wie dies heute bereits in anderen Ländern der Fall sei. Man werde sich die Gegebenheiten genau anschauen und dann entscheiden. Es werde sicherlich dann einige Zeit dauern, bis es tatsächlich zu einer Kettenbildung komme. Den Plänen des weltgrößten Pharmaherstellers Pfizer, der eine Veränderung der Arzneimitteldistribution anstrebt, erteilte Oesterle erneut eine Absage. Das sei »volkswirtschaftlich vollkommen unsinnig«.

 

Auch wenn das anstehende Reformgesetz immer noch nicht abschließend beurteilt werden könne, wäre eine Veränderuzng der Arzneimittelpreisverordnung in eine Höchstpreisverordnung »für die deutschen Apotheken tödlich«. Bei einer fortschreitenden Liberalisierung des Apothekenmarktes befürchtet Oesterle eine »Verwässerung und ein Apothekensterben auf dem Lande«. Das könne nicht im Interesse der Politik sein.

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