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Abtreibungspille kann Brustkrebs verhindern

11.12.2006
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Abtreibungspille kann Brustkrebs verhindern

Von Conny Becker

 

Mifepriston, der Wirkstoff der Abtreibungspille RU486, kann im Tierversuch das Tumorwachstum bei genetisch bedingtem Brustkrebs aufhalten. Dies könnte zu einer neuen Präventionsoption für Frauen mit einem hohen Brustkrebsrisiko führen.

 

Frauen, die eine Mutation im Gen BRCA-1 aufweisen, erkranken mit hoher Wahrscheinlichkeit an Brust- oder Eierstockkrebs: Im Alter von 70 Jahren entwickelt jede zweite Frau mit mutiertem »Brustkrebsgen« eine dieser beiden Krebsformen. Aus diesem Grund lassen sich viele der Betroffenen derzeit ihre Brüste oder die Ovarien entfernen, um das Krebsrisiko zu vermindern.

 

Forscher von der Universität von Kalifornien, Irvine, haben nun aufgedeckt, warum sich diese Mutation vor allem auf Hormon-sensible Gewebe auswirkt, obwohl sie in jeder Körperzelle zu finden ist. Sie hoffen, damit auch einer alternativen Präventionsmethode auf die Spur gekommen zu sein. »Wir haben herausgefunden, dass Progesteron eine Rolle in der Entwicklung von Brustkrebs spielt, indem es die Proliferation von Brustzellen begünstigt, die das Brustkrebsgen tragen«, erklärt Studienleiterin Professor Dr. Eva Lee in einer Pressemitteilung der Universität. Sie und ihr Team stellten fest, dass in Brust-Epithelzellen mit mutiertem BRCA1-Gen die in die getriggerte Zellteilung involvierten Progesteron-Rezeptoren überexprimiert sind.

 

In Untersuchungen mit Mäusen, die das mutierte BRCA-1-Gen trugen, testeten die Wissenschaftler daher, ob Mifepriston einen schützenden Effekt haben würde. Und tatsächlich schütze der Progesteron-Antagonist die behandelten Mäuse ein Jahr lang davor, Brustkrebs zu entwickeln, während die Tiere der Kontrollgruppe schon mit acht Monaten Tumoren aufwiesen. Offensichtlich verhinderte Mifepriston die für die gesteigerte Zellteilung verantwortliche Bindung von Progesteron an seinen Rezeptor, so wie es laut Indikation einen Schwangerschaftsabbruch bewirkt.

 

Das amerikanische Forscherteam erhofft sich nun, die Anti-Progesterontherapie bei gefährdeten Frauen als neue Methode der Krebsprävention zu nutzen. Ob ihre Ergebnisse allerdings auf den Menschen übertragbar sind und ob ein vermutlich längerfristiger starker Eingriff ins Hormonsystem ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen wird, bleibt vorerst offen.

 

Quellen:

Poole, A. J., et al., Abstract, Science, 314, 2006, 1467-1470.

Pressemitteilung der Universität von Kalifornien,Irvine, vom 4. Dezember 2006.

 

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