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ZAEU

Europas Apotheker mit hohen Zielen

04.12.2012
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Von Daniel Rücker / Die Apotheker in der Europäischen Union haben eine Vision für eine bessere Gesundheitsversorgung in den Mitgliedsstaaten entworfen. Ihre Kernpunkte: mehr Arzneimittelsicherheit, eine bessere Therapie, effizientere Gesundheitssysteme.

Für die Apotheker in der Europäischen Union hört die Arbeit nicht bei der Arzneimittelabgabe auf. Sie sehen sich als zentraler Bestandteil der nationalen Gesundheitssysteme und machen sich darüber Gedanken, wie diese noch effizienter werden können. Die Vorschläge präsentiert die Pharmaceutical Group of the European Union (Zusammenschluss der Apotheker in der Europä­ischen Union, ZAEU) in einem am 4. Dezember veröffentlichten Strategiepapier »Die öffentliche Apotheke in Europa«. Darin fordern die Apotheker eine wichtigere Rolle im therapeutischen Team mit dem Ziel, Qualität und Effektivität der Gesundheitsversorgung zu verbessern.

 

Auf vier Säulen steht das Konzept der europäischen Apothekervereinigung. So sollen der Zugang zu Arzneimitteln und die Arzneimittelsicherheit verbessert werden. Hier sind laut ZAEU die Kernkompetenzen der Apotheker gefragt. So müsse es eine lückenlos sichere Distributionskette vom Hersteller bis zur Abgabe in der Apotheke geben. Diese be­inhaltet auch die Versorgung mit temperaturkritischen Arzneimitteln ebenso wie ein effizientes System für Rückrufe und die Möglichkeit, Rezepturarzneimittel selbst herzustellen.

Aktuellen Verbesserungsbedarf sieht der ZAEU beim Schutz vor Fälschungen. Hier müssten Politiker, Hersteller, Großhändler und Apotheker weitere Anstrengungen unternehmen, die Distributionskette noch sicherer zu machen. Zudem fordert der ZAEU, dass alle Apotheken ein Medikationsmanagement und das Stellen von Arzneimitteln anbieten.

 

Bessere Therapieergebnisse

 

Zweiter Punkt auf der Agenda der Apotheker ist die Verbesserung der Therapieergebnisse. Dazu können die Apotheker an verschiedenen Stellen beitragen, etwa indem sie sich als Medikationsmanager um die komplexe Arzneimitteltherapie multimorbider Patienten kümmern.

 

Auch im Gesundheitswesen generell sehen die Apotheker Verbesserungspotenzial. Sie wollen deshalb stärker als bislang an nationalen E-Health-Strategien mitarbeiten. Als weitere Aufgaben für ihren Berufsstand sehen sie aber auch die Präven­tion sowie die Beteiligung an Screeningprogrammen und Impfkampagnen.

 

Die vierte Säule des ZAEU-Konzepts ist die Ökonomie. In Zeiten der Krise gelte es, das Gesundheitswesen möglichst effizient und dennoch qualitativ hochwertig zu machen, heißt es in dem Papier. Dazu gehört auch eine bessere Versorgung chronisch Kranker. Diese kosten derzeit die Sozialsysteme auch deshalb viel Geld, weil die Kranken oftmals zu viele Arzneimittel einnehmen, diese aber nicht vorschriftgemäß anwenden. Hier könnten die Offizin­apotheker durch Aufklärung viel Unterstützung leisten.

 

Der Abschluss des gemeinsamen Papiers der europäischen Apotheker ist ein Plädoyer für mehr Zusammenarbeit im Gesundheitswesen und eine Neudefinition der apothekerlichen Aufgaben. Apotheker als essenzieller Teil eines sich ändernden Gesundheitswesens dürften von dem Änderungsprozess nicht ausgeschlossen werden. Sie seien in der Regel der erste und der letzte Berührungspunkt des Patienten mit dem Gesundheitswesen, heißt es.

 

Für ihre Ambitionen haben die Apotheker bereits im Oktober Unterstützung von dem Informationsdienstleister IMS Health erhalten. Dieser hatte in einer Untersuchung festgestellt, dass die Gesundheitssysteme weltweit mehr als 500 Milliarden Euro einsparen könnten, wenn Arzneimittel verantwortungsvoller verschrieben und angewendet würden (lesen Sie dazu auch Arzneimittelversorgung: Apotheker könnten Milliarden sparen, PZ 40/2012). Den Apothekern attestierten die Autoren der Studie dabei ein Schlüsselrolle.

 

ZAEU-Präsidentin Isabell Adenot ist stolz auf das Strategiepapier der europäischen Apotheker: »Es gibt in der EU 154 000 Offizinapotheken. Dennoch sprechen wir Pharmazeuten mit einer Stimme.« /

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