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Welt-Aids-Tag

Deutschland zeigt Schleife

01.12.2009
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Von Bettina Sauer, Berlin / Seit 1988 wirbt der Welt-Aids-Tag darum, sich vor HIV zu schützen und Solidarität mit allen Infizierten zu zeigen. In Deutschland kann sich jeder auf einer Internetseite als »Aids-Botschafter« eintragen. Auch Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler hat das kürzlich getan, und er präsentierte am Brandenburger Tor eine überlebensgroße Aidsschleife.

Vier durchsichtige Kugeln bewegen sich im Schritttempo durch das Brandenburger Tor, im Innern eingekapselt gehen zwei junge Männer und zwei junge Frauen. Diese Aktion soll die soziale Isolation von Menschen mit HIV und Aids symbolisieren und war in den vergangenen Wochen auch schon in Köln, Bonn, Hamburg, Schwerin, Leipzig und München zu sehen. Sie gehört zur diesjährigen bundesweiten Kampagne anlässlich des Welt-Aids-Tages, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium, der Deutschen Aids-Hilfe und der Deutschen Aids-Stiftung durchführt.

 

Mehr als 100 neue Aids-Botschafter

 

Nach dem Durchmarsch der Kugeln wurde vor dem Brandenburger Tor ein über 300 Quadratmeter großes dunkles Banner mit der roten Aidsschleife aufgerollt. Dabei fassten mehr als einhundert Menschen mit an, die sich alle auf der Internetsite www.weltaidstag.de als »Aids-Botschafter« eingetragen haben, unter ihnen Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler. Die Aktion verfolge zweierlei Ziele, sagte er bei einer Pressekonferenz: »Wir möchten die Menschen in Deutschland zur Solidarität mit den Infizierten und Erkrankten aufrufen und außerdem jeden motivieren, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Denn trotz aller Fortschritte ist Aids immer noch eine unheilbare Krankheit.«

Mit derzeit etwa 3000 Fällen im Jahr habe Deutschland die niedrigste HIV-Neuinfektionsrate in Westeuropa. Zudem sei sie seit 2007 nicht mehr gestiegen. »Das ist ein Erfolg, aber noch kein Sieg«, sagte Rösler. »3000 Neuinfizierte sind 3000 zu viel. Wir müssen durch Aufklärungskampagnen und weitere Maßnahmen alles dafür tun, um die Ausbreitung des Virus weiter zu verringern.«

 

»Auch der Kampf gegen die Diskriminierung und Stigmatisierung von HIV-Positiven, zum Beispiel am Arbeitsplatz, ist längst noch nicht ausgefochten«, ergänzte Sylvia Urban, Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Aids-Hilfe, bei der Pressekonferenz. Aufgrund der verbesserten Therapien befänden sich hierzulande derzeit mehr als zwei Drittel der etwa 67 000 HIV-Infizierten im Berufsleben. »Viele halten dort ihre Krankheit geheim, und zwar aus Furcht vor Diskriminierung und Mobbing bis hin zur Angst vor der Kündigung.« Daher mache die Deutsche Aids-Hilfe das Thema »HIV und Arbeit« im Jahr 2010 zu einem ihrer Schwerpunkte. »Wir möchten Arbeitgeber, Beschäftigte, Betriebsräte, Mitarbeiter der Arbeitsagenturen, Betriebsärzte und die gesamte Gesellschaft auf die Missstände hinweisen und Lösungsansätze erarbeiten.«

Dabei gelte es auch, irrationale und unbegründete Ängste abzubauen. Rösler bestätigte diese Einschätzung: »Viele Leute scheinen sich immer noch nicht vollständig darüber im Klaren zu sein, dass man sich nicht mit HIV infizieren kann, bloß weil man im selben Büro sitzt oder dasselbe Geschirr benutzt.« Grundsätzlich sei in Deutschland dringend ein offenerer Umgang mit Erkrankungen und eine entsprechende Sprachkultur zu entwickeln: »Keine Krankheit darf in unserer Gesellschaft ein Grund für Scham, Furcht oder Isolation sein.« /

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