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Lebensgefährliche Therapiepausen

05.12.2006  10:45 Uhr

Lebensgefährliche Therapiepausen

PZ / Planmäßige Therapiepausen verdoppeln bei HIV-Infizierten das Risiko einer unter Umständen tödlichen Aids-Erkrankung. So lautet das ernüchternde Ergebnis einer der weltweit größten Therapiestudien (NEJM 355, 2006, 2283-2296).

 

5472 Patienten mit einem gut stabilisierten Immunsystem wurden auf zwei Strategien randomisiert: Die eine Hälfte setzte die antiretroviralen Medikamente ab, um die Therapie wieder aufzunehmen, wenn der CD4-Wert auf unter 250 Zellen/mm3 abgefallen war. Die andere Hälfte führte die Therapie ohne Unterbrechung durch. Der primäre Endpunkt war definiert als das Auftreten opportunistischer Erkrankungen (sprich Aids) oder Tod.

 

Nach einer Zwischenauswertung musste die SMART-Studie abgebrochen werden, da bei 120 Patienten aus der »Therapiepause«-Gruppe der primäre Endpunkt erreicht war. Im Studienarm mit kontinuierlicher Therapie war dies nur bei 47 Patienten der Fall. Zudem lieferte die SMART-Studie ein weiteres ungünstiges Ergebnis: Aufgrund der langfristigen Nebenwirkungen vieler Medikamente erwarteten die Forscher, dass sich die Pausen vorteilhaft auf das Risikoprofil der Patienten auswirkt. Das Gegenteil war der Fall. Die Hazard-Ratio auf kardiovaskuläre, renale oder hepatische Erkrankungen betrug 1,7. Damit scheinen Pausen die Komplikationsrate eher zu erhöhen als zu senken.

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