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Studie

400.000 Gesundheits-Jobs in Gefahr

06.12.2006  10:57 Uhr

Studie

400.000 Gesundheits-Jobs in Gefahr

Von Thomas Bellartz

 

Die Befürchtrungen vieler Heilberufler könnten wahr werden: Im deutschen Gesundheitswesen werden in den nächsten Jahren mehr als 400.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Studie, für die 100 Fach- und Führungskräfte über den Status und die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems befragt wurden.

 

Im sogenannten iSoft-Report rechnet die Hälfte der Experten mit einem Rückgang der derzeit rund vier Millionen Beschäftigten im Gesundheitswesen um mindestens 10 Prozent. Fast ein Fünftel der Fachleute gehen sogar von einem Arbeitsplatzabbau um bis zu 20 Prozent aus. In diesem Fall gingen möglicherweise 800.000 Arbeitsplätze verloren. Der Abbau geht nach Einschätzung der Experten quer durch die Gesundheitslandschaft der rund 123.000 niedergelassenen Ärzte, 65 000 Zahnärzte, 21.000 Apotheken, 2200 Krankenhäuser und knapp 270 Krankenkassen sowie weiteren Leistungserbringern und Kostenträgern wie den Kassenärztlichen Vereinigungen und auch den Pharmaherstellern.

 

Als Ursachen für den drohenden Verlust der Arbeitsplätze nennt die iSoft-Studie die Stärkung der Effizienz bei den Beteiligten des Gesundheitswesens und einen massiv steigenden Wettbewerb in fast allen Bereichen, vom Krankenhaus bis zur Krankenkasse. So gehen über drei Viertel der Experten fest davon aus, dass es schon in naher Zukunft unter den Krankenhäusern zu einem »Kampf bis aufs Messer« kommen wird. Um dem Wettbewerbsdruck zu begegnen, sind bei allen am Gesundheitsmarkt Beteiligten strikte Kosteneinsparungen auf allen Ebenen unvermeidbar, meinen 55 Prozent der Fachleute. »Die hohen Effizienzeinbußen im deutschen Gesundheitswesen durch die mangelhafte Koordination der verschiedenen Beteiligten können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten«, sagt Peter Herrmann, Herausgeber der Studie und Vorsitzender der Geschäftsführung der iSoft Deutschland GmbH.

 

»Die Krankenkassen verfügen im Leistungs- und Vertragsbereich über zu geringe Gestaltungsmöglichkeiten, der stationäre Sektor leidet unter der dualen Finanzierung, die Arzneimitteldistribution erfolgt mit dem kürzlich erst erneut bestätigten Fremdbesitzverbot und diese Liste ließe sich fast unendlich lange fortsetzen«, nennt Peter Herrmann konkrete Beispiele für Einsparpotenziale. »Es wird unvermeidlich sein, diese Potenziale in den nächsten Jahren zu erschließen, auch wenn dies mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden ist«, sagt der iSoft-Manager. Der iSoft-Report 2007 basiert auf einer Expertenbefragung von 100 Fach- und Führungskräften aus allen Bereichen des Gesundheitssystems, von Körperschaften des öffentlichen Rechts über Organisationen, die in staatlichem Auftrag hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, bis hin zu privaten Verbänden einzelner Interessengruppen. Herausgeber der Studie ist die iSoft-Gruppe.

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