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Zyklus bestimmen per App

Selten zuverlässig

29.11.2017
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Von Katja Egermeier / Frauen, die sich bei der Verhütung auf eine Zyklus-App verlassen, könnten eine lebensverändernde Überraschung erleben. Zu diesem Ergebnis ist die Stiftung Warentest bei der Überprüfung von 23 überwiegend kostenlosen Applikationen zur Zyklusbestimmung gekommen.

 

Nur zwei seien »gut«, der Großteil dagegen »mangelhaft«. Das Testergebnis, nachzulesen in der Dezemberausgabe der Zeitschrift »test«, beinhaltet neben der Prüfung des theoretischen Nutzens auch die Beurteilung von Handhabung, Transparenz, Funktionsumfang, Einhaltung der Privatsphäre und Datensendeverhalten.

Kritisch wird es laut Stiftung Warentest gleich beim wichtigsten Test­kriterium: dem Mess- und Prognosekonzept. Hier lieferten die meisten Menstruations-Apps nur Durchschnittswerte. Sie ermitteln Eisprung und Periode demnach rein mathematisch teils Monate im Voraus und greifen nur auf bereits vorhandene Kalenderdaten aus früheren Zyklen der Anwenderin oder auf statistische Daten anderer Frauen zurück. Da eine Zykluslänge aber bereits bei gesunden Frauen zwischen 25 und 35 Tagen schwanken könne, sei auf diese Angaben kein Verlass, erklärt Dr. Petra Frank-Herrmann, Oberärztin am Universitätsklinikum Heidelberg. Auch Parameter wie Prüfungsstress oder intensiver Sport könnten den Zyklus verschieben, würden in den kritisierten Apps aber nicht berücksichtigt. Das hält Frank-Herrmann für gefährlich: »Diese Apps wissen eigentlich nichts über die Frau, machen aber eine Vorhersage.«

 

Hierin unterscheiden sich laut Stiftung die als gut bewerteten Apps myNFP und Lady Cycle: Diese nutzten die symptothermale Methode der NFP (Natürliche Familienplanung), die sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt. Bei dieser Methode beobachtet die Frau ihre Basaltemperatur und ihren Zervixschleim. Beides verändert sich im Verlauf des Zyklus und kann somit den Eisprung anzeigen. Mit diesen Daten bestimmen diese Apps nach Angaben der Stiftung die fruchtbaren Tage der Anwenderin »ziemlich zuverlässig«. Die symptothermale Methode erfordere jedoch Zuverlässigkeit, erklärt Frank-Herrmann. »Frauen müssen lernen, ihren Körper zu beobachten.« Wüssten sie die Symptome richtig zu deuten, könnten sie die fruchtbaren Tage tatsächlich sehr genau bestimmen. »Die Apps helfen dabei, weil sie die Daten aufzeichnen und interpretieren und einen praktischen Überblick bieten.« Erlernen lässt sich die Methode nach Ansicht von Frank-Herrmann jedoch am besten mithilfe von Literatur und NFP-Beratern, die bundesweit Schulungen anbieten.

 

Als nicht ausreichend geschützt befanden die Tester im Übrigen auch die Intimsphäre der Nutzerinnen. So fragten viele der Apps unnötige private Informationen ab, beispielsweise den Namen der Nutzerin, das Geburtsdatum und nicht relevante Angaben zur Gesundheit. Neun der getesteten Apps übertragen laut Stiftung Warentest zudem die Smartphone-Geräte-ID, um etwa Werbung gezielt schalten zu können. /

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