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Rhinosinusitis

Symptomorientiert behandeln

30.11.2016  10:00 Uhr

Von Elke Wolf, Ingelheim / Bei Rhinosinusitiden werden immer noch zu oft Antibiotika verordnet. Dabei sind akute Entzündungen der Nasennebenhöhlen in den meisten Fällen viraler Natur. Die europäische Leitlinie empfiehlt, akute Beschwerden, wie Druckschmerz im Wangen- und Stirnbereich sowie eine verstopfte Nase, symptomorientiert zu behandeln.

Sind bei einem oberen Atemwegsinfekt auch die Nasennebenhöhlen betroffen, macht sich neben einer verstopften Nase ein schmerzhaftes Druckgefühl in Kopf-, Stirn- und Wangenbereich breit, vornehmlich beim Bücken. Zudem läuft wässriges oder visköses Sekret aus der Nase, mitunter auch nach hinten in den Rachenraum. Aufgrund des mangelhaften Druckausgleichs kann auch das Hörvermögen in Mitleidenschaft gezogen sein.

»Bei diesem Beschwerdebild ist in der Regel von einem viral bedingten, selbstlimitierenden Infekt auszugehen. Zum Arztbesuch sollten Apotheker raten, wenn nach fünf Tagen keine Linderung eintritt oder die Sym­ptome länger als zehn Tage anhalten«, informierte Professor Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden, bei einer Pressekonferenz von Boehringer Ingelheim in Ingelheim.

 

Laut der aktuellen europäischen Leitlinie zur Behandlung der Rhino­sinusitis (EPOS) steht die schnelle Linderung der Symptome im Fokus der Therapie. »Nach der EPOS-Leitlinie stellen bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren Analgetika sowie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Dekongestiva, bestimmte pflanzliche Sekreto­lytika und Nasenspülungen mit isotoner Kochsalzlösung die therapeutischen Optionen dar«, fasste Klimek die Maßnahmen der ersten Wahl zusammen.

 

Oral vor lokal

 

Für den Einsatz eines entzündungshemmenden Analgetikums spricht die Pathogenese der Rhinosinusitis; Sym­ptome wie Halsschmerzen, Nasen­obstruktion und -sekretion oder Niesen sind Ausdruck einer Entzündung der Schleimhaut. Lokale (Tramazolin, Oxymetazolin, Xylometazolin) und systemische (Pseudoephedrin, Phenylephrin, Ephedrin, Phenylpropanolamin) Dekongestiva kommen gegen die als besonders lästig empfundene nasale Obstruktion zum Einsatz. Eine Fixkombination aus Analgetikum/NSAR und Dekongestivum bezeichnete Klimek insofern als sinnvoll, als dass bei einer akuten Rhinosinusitis ein verstopfter Nasenbereich oft von Kopfschmerz und Druckgefühl begleitet wird. »Die schnelle Besserung möglichst vieler Symptome ist mit einem Wirkstoff allein nicht zu erreichen.«

 

Die europäische Leitlinie favorisiert die systemische Gabe der abschwellend wirkenden Arzneistoffe. »Werden die Dekongestiva oral eingenommen, hat das den Vorteil, dass auch eine Wirkung auf die Ostien und eine Belüftung der Nebenhöhlen erzielt wird. Beide werden durch eine topische Gabe mit Tropfen oder Spray nicht erreicht«, so Klimek Die nationale Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde aus dem Jahr 2010 spricht keine Präferenzen aus. Sie soll demnächst in neuer Fassung publiziert werden.

Die europäische Leitlinie empfiehlt für die Selbstmedikation oral Pseudo­ephedrin. Das deckt sich mit den Ergebnissen eines Cochrane Reviews aus dem Jahr 2007, das die Austauschbarkeit von Pseudoephedrin und Phenyl­ephrin untersuchte (»British Journal of Clinical Pharmacology« 2007, DOI: 10.1111/j.1365-2125.2006.02833.x). Demnach ist Pseudoephedrin im Vergleich zu Phenylephrin besser untersucht. Die Nebenwirkungsrate lag auf Placebo­niveau. Klimek machte darauf aufmerksam, dass Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen »sowohl lokale als auch systemische Dekongestiva zurückhaltend einsetzen sollten. Bei einer gut eingestellten Hyper­tonie hingegen spreche nichts gegen den Einsatz dieser Wirkstoffe.

 

Phytos zur Sekretolyse

 

Neben der antientzündlichen Therapie sprechen sich die Leitlinien für eine sekreto­lytische Behandlungskomponente aus. Das ist die Domäne definierter pflanzlicher Extrakte. Ein Misch­destillat aus rektifizierten ätherischen Ölen, eine standardisierte Fünfer- Primel-Fixkombination oder auch Pelargonium-Extrakte sind in der Lage, die Drainage und die Belüftung im Nasennebenhöhlenbereich zu verbessern. »Empfehlen Sie stets Pflanzenextrakte, mit denen auch die klinischen Studien durchgeführt wurden«, rät Klimek. /

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