Pharmazeutische Zeitung online
EU-Bericht

Älter – aber nicht gesünder

30.11.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Jennifer Evans / Die Lebenserwartung steigt zwar in allen EU-Mitgliedstaaten an, aber immer mehr Menschen sind chronisch krank und sterben deshalb früher. Das geht aus einem EU- und OECD-Bericht hervor. Nun sollen auch Apotheker helfen, die Prävention voranzubringen.

Etwa 50 Millionen Menschen in der Europäischen Union (EU) sind mehrfach chronisch krank, und mehr als eine halbe Million im erwerbsfähigen Alter (bis 64 Jahre) sterben an chronischen Erkrankungen. Daraus entstehen jährliche Kosten von etwa 115 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis des jüngsten Berichts der EU-Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) »Gesundheit im Blick: Europa 2016«, den die Organisationen vergangene Woche in Brüssel vorstellten.

 

Die gute Nachricht: die durchschnittliche Lebenserwartung in den EU-Ländern liegt inzwischen bei 80,9 Jahren (Deutschland: 81,2 Jahre). Das sind sechs Jahre mehr als noch 1990, heißt es in dem Bericht.

 

Vermeidbare Krankheiten

In Deutschland liegt die Zahl der vorzeitigen Todesfälle aufgrund potenziell vermeidbarer Krankheiten bei 195 pro 100 000 Einwohner (EU-Durchschnitt: 201). Umwelteinflüsse und schlechte Lebensweisen wie Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum sieht der Bericht als Gründe dafür. Die Auswertungen belegen: 16 Prozent der Erwachsenen sind fettleibig, im Jahr 2000 waren es nur 11 Prozent. Zudem raucht jeder fünfte Erwachsene mindestens einmal täglich eine Zigarette und mehr als jeder Fünfte trinkt mindestens einmal monatlich sehr viel Alkohol.

 

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis und OECD-Generalsekretär Ángel Gurría fordern daher, künftig mehr in die Vorbeugung von Krankheiten zu investieren. Derzeit werden in der EU nur drei Prozent der Gesundheitsausgaben dafür aufgebracht. Insgesamt liegen die Ausgaben für Gesundheit im EU-Durchschnitt bei 9,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, Deutschland ist mit 11,1 Prozent Spitzenreiter, während Rumänien mit 5 Prozent das Schlusslicht bildet.

 

Als Möglichkeit, um die Präventionsmaßnahmen auszubauen, empfiehlt der Report unter anderem, die Rolle von Offizin-Apothekern zu stärken und hebt Finnland als Positivbeispiel hervor: Dort seien Apotheker selbstverständlich in die Behandlung und Prävention der häufigsten chronischen Erkrankungen eingebunden.

 

Neben der Prävention ist es erklärtes Ziel, den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erleichtern. Zwar ist laut Bericht in allen EU-Ländern die Anzahl der Ärzte pro Kopf seit dem Jahr 2000 durchschnittlich um 20 Prozent gestiegen, aber die ungleiche Verteilung dieser zwischen Stadt und Land stellt ein Problem dar. Gurría: »Wir müssen noch mehr unternehmen, um die Ungleichheiten beim Zugang und bei der Qualität der Versorgung zu verringern.« 27 Prozent der EU-Bürger suchten derzeit eine Notaufnahme auf, weil es nicht genug medizinische Einrichtungen gebe. Zudem sei für arme Menschen das Risiko, aus finanziellen Gründen keine angemessene medizinische Versorgung zu erhalten, um ein Zehnfaches höher als für Wohlhabende, so der Bericht.

 

Rolle des Apothekers

 

Die Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU) freute sich über den OECD-Vorschlag, die Befugnisse von Apothekern auszuweiten. »Pharmazeuten kommt eine entscheidende Rolle bei der Aufgabe zu, allen Europäern den gleichen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung zu ermöglichen und auch die Zahl der Notaufnahmenbesuche und Klinikaufenthalte zu reduzieren«, sagte PGEU-Generalsekretärin Ju-rate˙ Sˇvarcaite˙. In Apotheken könnten alle Bürger von Präventionsprogrammen, Vorsorge und rechtzeitiger Behandlung profitieren – auch jene mit geringem Einkommen, so Sˇvarcaite˙.. /

Mehr von Avoxa