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Apothekerkammer Berlin

Rezeptur-Verweigerern auf der Spur

25.11.2015
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Von Ev Tebroke, Berlin / Immer öfter scheint es Apotheken zu geben, die keine Rezepturen mehr machen wollen. Die Apothekerkammer Berlin will deshalb ab 2016 in Testkäufen überprüfen, ob Berliner Apotheken ihrer Verpflichtung zur Rezepturherstellung uneingeschränkt nachkommen. Das hat die Delegiertenversammlung vergangene Woche auf ihrer Sitzung in Berlin beschlossen

Nach Angaben von Kammerpräsident Christian Belgardt ist es ein »gefühltes Phänomen«, dass die Zahl der Rezeptur-Verweigerer wächst. Viele Kollegen berichten demnach immer wieder über Patienten, die mit einem Rezepturwunsch in die Apotheke kommen, nachdem sie bereits in anderen Apotheken vergeblich danach gefragt haben.

»Es zeichnet uns als Selbstverwaltung aus, dass wir diese möglichen Defizite überprüfen«, betonte Belgardt. Zunächst sei im Haushalt ein Modellversuch mit 30 Tests eingeplant. Das Ergebnis der Prüfungen soll dann im März 2016 bei der nächsten Delegiertenversammlung diskutiert werden. Dann könne man auch einschätzen, ob und welche Reaktionen erforderlich sind, so der Kammerpräsident. Sollte sich bei der Überprüfung herausstellen, dass berufsrechtliche Verstöße zu ahnden sind, stehen im Wirtschaftsplan für das kommende Jahr 30 000 Euro für Untersuchungsverfahren bereit.

 

 

Der Grund für eine mögliche sinkende Bereitschaft, Rezepturen herzustellen, liegt mitunter in der aus Sicht vieler Apotheker zu niedrigen Vergütung, die sie für die Erstellung bekommen. So erhalten sie gemäß § 5 Arzneimittelpreisverordnung einen Festzuschlag von 90  Prozent auf die Apothekeneinkaufspreise für Stoffe und erforderliche Verpackung. Als Rezepturzuschlag für die Herstellung bekommen sie je nach Art und Menge der Rezepturbestandteile 2,50 Euro, 5 Euro oder 7 Euro.

 

Die Apothekerkammer Berlin folgt mit den Testkäufen dem Beispiel der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz. Dort hatte es ebenfalls Überprüfungen gegeben, ob Apotheker der berufsrechtlichen Verpflichtung zur Herstellung von Rezepturen nachkommen. Mehr über die Delegiertenversammlung in Berlin lesen Sie auf Seite 61 der PZ-Druckausgabe. /

 

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