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Homosexualität in den Genen

26.11.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Homosexuelle Menschen werden vermutlich homosexuell geboren. Darauf weist die bislang größte genomische Analyse zu diesem Thema hin, deren Ergebnisse nun im Fachjournal »Psychological Medicine« veröffentlicht wurden (DOI: 10.1017/S0033291714002451).

 

Demnach hat die die sexuelle Orientierung eine genetische Grundlage und ist mit zwei Regionen im Genom assoziiert: eine auf Chromosom 8 und eine auf dem X-Chromosom. Forscher um Alan Sanders vom NorthShore Research Institute in Evans­ton, Illinois, untersuchten 409 Bruderpaare, inklusive zweieiigen Zwillingen, die jeweils beide homosexuell sind und führten bei diesen eine genomweite Linkage-Analyse durch. 

 

Dabei ermittelten die Experten, welche genetischen Marker, sogenannte Single-Nucleotid-Polymorphismen, von den meisten Probanden geteilt werden. Am stärksten verbreitet in der untersuchten Population waren Marker in den Regionen Xq28 auf dem X-Chromosom und 8q12 auf dem Chromosom 8.

 

Beide Regionen waren bereits in früheren Untersuchungen unter der Leitung von Dr. Dean Hamer vom US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in Bethesda mit der sexuellen Orientierung in Verbindung gebracht worden. Eine Veröffentlichung zur Rolle der Region Xq28 erschien bereits 1993. Folgeuntersuchungen hatten unterschiedliche Ergebnisse geliefert, sodass die Daten nicht als validiert galten. Die vorliegende Untersuchung kann aber als Replikationserfolg gewertet werden. Homosexualitäts-Gene konnten die Forscher bislang aber nicht identifizieren. Denn die beiden genannten Regionen enthalten jeweils eine Reihe von Genen. Als nächster Schritt wollen Sanders und Kollegen untersuchen, welche Gene in diesen Regionen für die sexuelle Orientierung eine Rolle spielen.

 

Vermutlich werde man nicht ein verantwortliches Gen finden, prognostiziert Sanders, sondern eine Reihe von Genen, die jeweils nur einen geringen Einfluss auf dieses Merkmal haben und eventuell auch mit Umweltfaktoren zusammenwirken. /

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