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Rote Zahlen

Viele Kliniken stehen unter Druck

26.11.2013  17:30 Uhr

Von Stephanie Schersch / Jede zweite Klinik in Deutschland hat im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Das geht aus einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts hervor. Die Kliniken schlagen Alarm und fordern von der künftigen Regierung mehr Unterstützung.

Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anteil angeschlagener Krankenhäuser noch einmal deutlich gestiegen. 2011 hatte immerhin schon beinahe jede dritte Klinik Verluste eingefahren. Bei knapp 60 Prozent der etwas mehr als 2000 Krankenhäuser war das Geschäftsergebnis 2012 zudem rückläufig, wie aus dem aktuellen Krankenhaus-Barometer hervorgeht. Die Zahlen basieren auf einer Befragung, an der 290 Krankenhäuser teilgenommen haben.

 

»Schwerer Systemfehler«

 

»Wenn mehr als die Hälfte der Kliniken rote Zahlen schreibt, dann liegt ein schwerer Systemfehler vor«, sagte Alfred Dänzer, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, in Düsseldorf. Den Grund allen Übels sieht er in einer chronischen Unterfinanzierung bei den Betriebs- und Investitionskosten. Union und SPD hätten sich mit diesem Problem in ihren Koalitionsverhandlungen nur unzureichend befasst. In diesem Punkt seien die Ergebnisse der zuständigen Arbeitsgruppe Gesundheit »eine einzige Enttäuschung«, so Dänzer. Daher sollten die Parteien noch einmal nachbessern.

 

Im Krankenhaussektor steigen die Ausgaben seit Jahren. Mit rund 62 Milliarden Euro floss 2012 jeder dritte Euro der Kassen in Klinik­be­hand­lungen. Jedes Jahr kletterten die Ausgaben für Krankenhäuser um etwa 2 Milliarden Euro, sagte auch CDU-Ge­sund­heits­ex­perte Jens Spahn. »Das zeigt, es geht nicht nur um mehr Geld, sondern wir müssen auch über Strukturen reden.«

 

In ihren Gesprächen haben sich Union und SPD bereits auf Eckpunkte einer geplanten Reform im Kliniksektor geeinigt. Die Parteien wollen dabei die Kosten der Krankenhäuser künftig teilweise stärker berücksichtigen, wie aus einem Ergebnispapier der AG Gesundheit hervorgeht. Am System der Fallpauschalen wollen sie grundsätzlich festhalten, bei der Kalkulation der Beträge sollen aber die Per­so­nal­kos­ten eine größere Rolle spielen. Für be­son­ders kom­pli­zier­te und damit teure Be­hand­lungs­fäl­le soll es zudem ein gesondertes Honorar geben.

 

Damit auch in ländlichen Regionen ausreichend Kliniken zur Verfügung stehen, wollen SPD und Union darüber hi­naus die Auszahlung sogenannter Sicherstellungszuschläge vereinfachen. In überversorgten Gebieten soll ein Investitionsfonds von rund 500 Millionen Euro die Umwandlung maroder Kliniken zum Beispiel in medizinische Versorgungszentren fördern. Insgesamt müssen sich die Krankenhäuser aber auch darauf einstellen, dass künftig der Behandlungserfolg eine größere Rolle bei der Honorierung spielen wird. Besonders gute Qualität soll nach dem Willen von CDU, CSU und SPD mit Zuschlägen belohnt werden können.

 

Dänzer warnte davor, die Ansprüche an die Qualität immer höher zu schrauben. »Auch durch überzogene Qualitätsanforderungen kann die flächendeckende Versorgung gefährdet werden.« Bund und Länder rief er dazu auf, gemeinsam mehr Investitionsmittel zur Verfügung zu stellen. »Ohne verbesserte Rahmenbedingungen können die Krankenhäuser die zusätzlichen Belastungen nicht schultern, die sich in den kommenden Jahren aus der demografischen Entwicklung, dem medizinischen Fortschritt und den Qualitätserwartungen ergeben werden.«

 

Fehlende Reformen

 

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung warf den Kliniken vor, immer nur mehr finanzielle Unterstützung zu fordern. »Die Zeit, in der die Krankenhausvertreter bei jedem Problem einfach nach immer mehr Geld aus den Portemonnaies der Beitragszahler rufen und gleichzeitig die notwendige Reformbereitschaft vermissen lassen, muss endlich zu Ende sein«, sagte Verbandssprecher Florian Lanz. /

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