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OECD-Staaten

Tablettenkonsum steigt deutlich

26.11.2013
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Von Anna Hohle / Menschen in Industrieländern nehmen immer häufiger Medikamente gegen chronische Erkrankungen ein. Das ist ein Ergebnis des Gesundheitsberichts »Health at a Glance«, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der vergangenen Woche veröffentlich hat.

Für ihren Bericht untersuchte die Organisation unter anderem die Menge der verordneten Tagesdosen von Blutdruck- und Cholesterinsenkern, Antidiabetika sowie Antidepressiva. Demnach ist der Verbrauch dieser Arzneimittel zwischen den Jahren 2000 und 2011 in allen OECD-Staaten deutlich gestiegen. Bei den Anti-Hypertonika ist Deutschland mit 555 verordneten Tagesdosen pro 1000 Einwohnern das Land mit dem höchsten Verbrauch. Er hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt.

 

Ähnlich sieht es bei den Diabetesmitteln aus: Einzig die Finnen nehmen mit 84 Tagesdosen noch mehr dieser Arzneimittel ein als die Deutschen (83 Tagesdosen). Zum Vergleich: Die Dänen konsumieren nur halb so viele Diabetesmittel wie ihre deutschen Nachbarn, die Luxemburger nur halb so viele Blutdrucksenker.

 

Bei den Cholesterinsenkern gehört Deutschland mit 68 Tagesdosen pro 1000 Einwohnern dagegen zu den Ländern mit dem geringsten Verbrauch. Hier führen Australien (137 Tagesdosen) und Großbritannien (130 Tagesdosen) die Liste an. Dennoch: Noch im Jahr 2000 nahmen weit weniger Menschen diese Mittel ein. In fast allen OECD-Staaten hat sich der Verbrauch an Cholesterinsenkern seitdem verdoppelt oder verdreifacht.

 

Mit Sorge betrachten die Studienautoren auch die Entwicklung bei den Antidepressiva. Ihr Verbrauch ist in allen Mitgliedstaaten deutlich angestiegen. Schuld daran könne unter anderem die Finanzkrise sein, vermuten die Autoren. Dagegen spreche jedoch, dass der Konsum auch in jenen Ländern gewachsen ist, die weniger von den Auswirkungen der Krise betroffen sind.

 

Darüber hinaus würden Antidepressiva immer häufiger auch bei milderen Formen einer Depression, bei generalisierter Angststörung und Sozialphobien verschrieben, so die Autoren. Diese Verschiebung führe zu »Besorgnis da­rüber, ob die Verordnung tatsächlich immer angemessen ist«. In Deutschland hat sich der Antidepressiva-Verbrauch seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt, liegt aber immer noch unter dem Durchschnitt aller OECD-Staaten.

 

Ausgaben sinken

 

Auch zu den Arzneimittelausgaben veröffentlichte die OECD Zahlen: Sie sind zwischen 2009 und 2011 in vielen europäischen Ländern gesunken, am stärksten in Griechenland, Estland und Portugal. Auch in Deutschland sanken die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel in diesem Zeitraum um 0,7 Prozent. Dennoch gab die Bundesrepublik 2011 mit durchschnittlich 632 US-Dollar pro Kopf mehr für Arzneimittel aus als der Durchschnitt der OECD-Länder (483 US-Dollar). Und das, obwohl Deutschland im Vergleich mit allen anderen Mitgliedstaaten den höchsten Generikaanteil am Markt aufweist. Im Jahr 2011 machten Nachahmerprodukte 76 Prozent des deutschen Arzneimittelmarkts aus. Im OECD-Durchschnitt waren es nur 41 Prozent. /

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