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Patientenberatung

Worüber Patienten sich beschweren

30.11.2010  17:34 Uhr

Von Conny Becker, Berlin / Seit 2006 haben etwa 250 000 Menschen bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) Rat gesucht, so die Bilanz zum Ende der Modellphase der UPD. Jede fünfte Kontaktaufnahme war dabei eine Beschwerde zumeist über einen Leistungserbringer.

Auftrag der UPD ist es, Patienten zu stärken – unabhängig von den Interessen der Kostenträger und Leistungserbringer und zwar bei medizinischen, psycho-sozialen und juristischen Problemen. Der UPD-Verbund wurde vom Sozialverband VdK Deutschland, der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie dem Verbund unabhängige Patientenberatung gegründet und betreibt 22 regionale Beratungsstellen sowie eine Patientenhotline, die ebenfalls kostenlos ist.

 

Bislang handelte es sich um ein Modellprojekt, das über den GKV-Spitzenverband finanziert wurde und von 2011 an dauerhaft in die Regelversorgung integriert wird. Ab 2012 soll sich auch die Private Krankenversicherung an der Finanzierung beteiligen. Die Ergebnisse der vierjährigen Erprobung hat der Verbund in einem Handbuch zusammengefasst, das auf der Website der unabhängigen Patientenberatung (www.patientenberatung.de) zu finden ist. Sie wurden auf dem UPD-Kongress in Berlin vorgestellt.

 

Da bei nahezu jeder fünften Kontaktaufnahme auch eine Beschwerde über einen Akteur im Gesundheitswesen ausgesprochen wurde, widmete sich eine aktuelle Auswertung des ersten Halbjahres 2010 konkret diesem Aspekt. »Die Bandbreite der Beschwerden ist sehr groß«, sagte Astrid Burkhardt, Geschäftsführerin der UPD, bei der Übergabe des Berichts an den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Wolfgang Zöller. Kritisiert wurden vor allem Leistungserbringer, gefolgt von Krankenkassen, stationären Einrichtungen und Pflegeleistungen.

 

Knapp ein Drittel der Beschwerden entfiel auf Ärzte und Therapeuten, bei denen in der Hälfte der Fälle die Behandlung, zu einem Drittel das Verhalten und einem Viertel die Rechnungen beanstandet wurden. »Dass 20 Prozent der Beschwerden die Umsetzung der Patientenrechte betraf, sollte zu denken geben«, kommentierte Zöller. Seiner Ansicht nach habe der Bericht bewiesen, wie wichtig ein Patientenrechtegesetz ist.

 

Hierzu werde noch in diesem Jahr ein Diskussionspapier erstellt, sodass man nächstes Jahr ins parlamentarische Verfahren gehen könne. Der Politiker kritisierte: »Viele Patienten berichten, dass sie Aufzahlungen leisten müssen, weil die Arzneimittel, die zum Festbetrag erhältlich sein sollen, nicht lieferbar sind.« Es müsse sichergestellt werden, dass genügend Medikamente zum Festbetrag verfügbar sind. Andererseits müsste das Verursacherprinzip gelten – das heißt die Krankenkasse müsste den Zusatzbetrag bezahlen.

 

Beschwerden gegenüber den Krankenkassen bezogen sich zu mehr als der Hälfte auf die Ablehnung von Kostenübernahmen, bei Krankenhäusern stehen wie bei den niedergelassenen Ärzten die Behandlungen (darunter zu 50 Prozent Angabe eines Behandlungsfehlers) an erster Stelle. Die Beschwerdestatistik liefert zwar kein repräsentatives Bild, macht aber auf Probleme aufmerksam. / 

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