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Ginkgo biloba in der Diskussion

25.11.2008
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Ginkgo biloba in der Diskussion

Von Kerstin A. Gräfe

 

Hoch dosierter Ginkgo-biloba-Extrakt (Tebonin®) ist zur Vorbeugung einer  Alzheimerdemenz wirkungslos. So zumindest das vernichtende Ergebnis einer großen randomisierten Studie (JAMA 2008, 300, 2253-2262). Laut Hersteller Dr. Willmar Schwabe ist eine abschließende Bewertung der GEM-Studie jedoch derzeit nicht zulässig.

 

Gegenstand der GEM (Ginkgo Evaluation of Memory)-Studie war die Prävention einer Alzheimerdemenz. Die Untersuchungen wurden in fünf Studienzentren in den USA durchgeführt. Insgesamt nahmen rund 3000 Senioren im Alter von 75 Jahren oder älter teil, die entweder geistig gesund waren oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) vorlag. Letztere wird als mögliche Vorstufe der Alzheimerdemenz eingestuft. Die Probanden nahmen zweimal täglich entweder Tebonin oder Placebo ein. Das Ergebnis nach einer durchschnittlichen Studiendauer von sechs Jahren: 523 Teilnehmer erkrankten an einer Demenz. Von ihnen hatten 277 den Ginkgo-Extrakt und 246 Placebo eingenommen. Ein signifikanter Unterschied konnte nicht festgestellt werden. Auch in der Subgruppe mit den MCI-Patienten traten tendenziell mehr Demenzerkrankungen auf. Die Schlussfolgerung der Autoren: Ginkgo-Extrakt kann die Entwicklung einer Demenz weder bei Gesunden noch bei Menschen, die bereits leichte Gedächtnisstörungen haben, verzögern oder gar verhindern.

 

Stellungnahme des Herstellers

 

Laut Hersteller Dr. Willmar Schwabe lässt die GEM-Studie Fragen offen. Zum Einen konstatiert Geschäftsführer Professor Dr. Michael Habs in einer Pressemitteilung, dass die Einnahmetreue am Studienende nur noch 60 Prozent betrug. Zum Anderen sei GEM nur eine von fünf Studien, die die Wirksamkeit standardisierter Ginkgo-Extrakte zur Vorbeugung einer Demenz untersuchen. Drei von ihnen hätten einen günstigen Einfluss von Tebonin auf das Auftreten von Alzheimer und das Demenz-freie Überleben gezeigt. Eine vierte laufe derzeit in Frankreich mit 2854 Menschen ab 70 Jahren. Erst wenn die Ergebnisse dieser GUIDAGE-Studie vorliegen, könne man umfassend bewerten, ob Tebonin der Entstehung einer Demenz vorbeugen kann, so das Fazit.

 

Am Freitag (21.11.2008) veröffentlichte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seinen Abschlussbericht zu Ginkgo biloba bei Alzheimerdemenz. Darin bescheinigt das Institut hochdosierten Präparaten (Tagesdosis 240 mg) einen positiven Nutzen für Patienten mit Alzheimerdemenz. Diese Aussage beziehe sich jedoch allein auf bereits erkrankte Personen und lasse keinerlei Rückschluss auf einen vorbeugenden Effekt zu. Zudem bleibe weiterhin unklar, wie groß dieser Effekt sei.

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