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Global Apo

Fleißige lassen sich in Wien belohnen

25.11.2008
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Global Apo

Fleißige lassen sich in Wien belohnen

Von Gerd Moser

 

Mehrere deutsche Apotheker sollen nach einem Bericht des »Stern« mithilfe der österreichischen Genossenschaft »Global Apo« Rückvergütungen von Pharmafirmen kassiert haben. Damit hätten sie das deutsche Rabattverbot zumindest umgangen.

 

Dem Bericht zufolge ist »Global Apo« Ende 2006 in Wien gegründet worden. Mitglied der »Tarnfirma« durften nur Apotheker werden, die mehr als 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz verzeichnen. »Global Apo« erbringe offiziell Dienstleistungen für Pharmaunternehmen. Tatsächlich erhalte die Genossenschaft aber »Rückvergütungen, die sich an der Höhe des Mehrumsatzes von verschreibungspflichtigen Präparaten der Pharmafirmen bemessen«, berichtete der »Stern«. Er nennt auch Namen, auch wenn die verwendete Bezeichnung als »führende deutsche Apotheker« wohl zu viel der Ehre für die Herrschaften ist. Die wohl bekanntesten unter den Verdächtigten sind der ehemalige Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Karl-Rudolf Mattenklotz, der Sprecher des ISA-Apothekenverbands, Werner Gajewski, der frühere Beirat der Apothekenkooperation Parmapharm, Tobias Loder und Georg Kuchler, Delegierter der Apothekerkammer Nordrhein.

 

Celesio mit im Boot

 

Unterstützt wird »Global Apo« vom Pharmagroßhändler Gehe/Celesio. Unter der Wiener Post-Adresse der österreichischen Celesio-Tochter Herba Chemosan firmierte die Genossenschaft. Als beteiligte Pharmaunternehmen werden in dem Bericht die Firmen Betapharm, Merck Pharma, Mylan dura und Axicorp genannt.

 

Mylan dura soll den beteiligten Apothekern Rabatte von bis zu 30 Prozent gewährt haben. Insgesamt soll die ehemalige Generikatochter von Merck im vergangenen Jahr 99.000 Euro zurückgezahlt haben. Betapharm soll Rabatte von bis zu 30 Prozent eingeräumt haben. Der Vertrag wurde aber im April 2007 gekündigt.

 

Der Friedrichsdorfer Generikahersteller Axicorp dementierte den »Stern«-Beitrag: Es bestehe keine Geschäftsbeziehung zwischen Axicorp und Global Apo. In einer Pressemitteilung heißt es weiter, ein im Jahr 2006 zwischen Global Apo und Axicorp unterzeichneter Kooperationsvertrag sei nie zur Ausführung gelangt. Nach Unterzeichnung des Vertrages sei eine weitere juristische Einschätzung eingeholt worden, woraufhin man von der geplanten Kooperation abgesehen habe. Zur Vermeidung eines Rechtsstreits habe Axicorp im März dieses Jahres 10.000 Euro an Global Apo gezahlt. Auch Merck Pharma stellte klar, man habe zwar einen Vertrag unterschrieben, der aber schnell gekündigt wurde und nie zur Anwendung kam.

 

Gajewski, Apotheker aus Steinfurt bei Münster und Vorsitzender der Global Apo, dementiert dagegen nicht, sieht aber in seinem Tun nichts Verwerfliches. Er wird von den »Westfälischen Nachrichten« mit den Worten zitiert: »Beim Leben meiner sechs Töchter, ich mache nichts Ungesetzliches.« Das Unternehmen erfülle in Österreich alle Bedingungen. Die teilnehmenden Apotheker würden über die Firma nicht nur gemeinsam Medikamente einkaufen, sondern auch Marketing- und Beratungsdienstleistungen für die Pharmaindustrie anbieten, was natürlich entlohnt werde. »Es ist doch nichts Unehrenwertes, wenn der Fleißige stärker belohnt wird«, sagte Gajewski dem Blatt.

 

Sowohl die für Gajewski zuständige Apothekerkammer Westfalen-Lippe als auch die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände will die Rechtmäßigkeit des Global-Apo-Geschäftsmodells überprüfen: Wenn diese nicht gegeben sei, will die ABDA zusammen mit dem Bundesgesundheitsministerium dagegen vorgehen. Am Tag zuvor hatte ABDA-Sprecher Thomas Bellartz gegenüber der PZ bereits klargestellt: »Sollten sich einzelne Apotheker, unterstützt von einem Großhandelskonzern, falsch verhalten haben, dann muss das Folgen haben.«

 

Die Erwähnung des früheren Beirats der Apothekenkooperation Parmapharm, Tobias Loder, veranlasste die Gesellschaft, in einem Informationsschreiben an die Mitgliedsapotheken Stellung zu beziehen: »Die Parmapharm distanziert sich mit Nachdruck von jeglichen Handlungen und Aktivitäten, die im Verdacht stehen, gegen bestehende gesetzliche Regelungen ... zu verstoßen.« Man habe auf die geringsten Anzeichen von Handlungen und Aktivitäten, die im Widerspruch zu den Unternehmensgrundsätzen stehen, »immer umgehend und konsequent reagiert. Hierzu gehört vor allem die Aufforderung zur Niederlegung jeglicher Ämter innerhalb der offiziellen Parmapharm-Gremien.«

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