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HIV-Neuinfektionen

Drei Dimensionen von Aids

27.11.2007
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HIV-Neuinfektionen

Drei Dimensionen von Aids

Von Bettina Sauer

 

Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember veröffentlichten die zuständigen Behörden die geschätzten HIV-Neuinfektionsraten für Deutschland, Europa und die Welt. Sie liegen erschreckend hoch.

 

Bis Ende des Jahres werden sich in Deutschland voraussichtlich 3000 Menschen neu mit dem Aidserreger HIV infiziert haben, insgesamt etwa 2400 Männer, 600 Frauen und 25 Kinder. Diese Schätzung gab das Robert-Koch-Institut (RKI) vergangenen Montag anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember bekannt. Damit werden bis Ende 2007 in Deutschland insgesamt etwa 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder Aidserkrankung leben, etwa 49.000 Männer, 10.000 Frauen und 350 Kinder. Im Jahr 2006 lag die Rate der Neuinfektionen bei 2638 - fast doppelt so hoch wie 2001 mit 1443 Fällen.

 

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch für Europa. Am vergangenen Freitag erschien eine entsprechende Studie des Europäischen Zentrums für Krankheitsvorbeugung und -kontrolle (ECDC), einer Agentur der Europäischen Union (EU) in Stockholm. Dem Bericht nach hat sich die Rate neuer HIV-Infektionen in 20 Ländern der EU in den letzten sieben Jahren fast verdoppelt. 1999 lag sie bei 28,8 Neuinfektionen pro einer Million Einwohner, 2006 bereits bei 57,5. Die höchste Rate verzeichnet das ECDC in Estland. Dort kamen im vergangenen Jahr auf eine Million Einwohner 504 Neuinfektionen.

 

Den weiteren Angaben zufolge steckten sich 2006 in 50 der 53 Staaten, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als »Region Europa« bündelt, 86.912 Menschen neu an. Mehr als zwei Drittel lebten im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Europaweit geht die ECDC zudem von einer Dunkelziffer von 30 Prozent aus. Weil diese Menschen nicht wüssten, dass sie das Virus tragen, schützten sie sich und ihre Sexualpartner nicht ausreichend. Der vorherrschende Verbreitungsweg des Virus war heterosexueller Geschlechtsverkehr (53 Prozent). Mehr als ein Drittel aller Infektionen gab es bei homosexuellen Männern, in weniger als 10 Prozent traf es Menschen, die sich Drogen spritzen.

 

Diese Verteilung weicht nur wenig von der in Deutschland ab. Dem RKI zufolge gehen hierzulande knapp 58 Prozent aller HIV-Infektionen auf homosexuelle Kontakte zwischen Männern zurück, etwa 12 Prozent auf den Gebrauch von Drogen.

 

Schon Anfang vergangener Woche hatte das Aidsprogramm UNAIDS der Vereinten Nationen die weltweiten Aidszahlen für das Jahr 2007 veröffentlicht. Demnach werden sich 2007 rund 2,5 Millionen Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert haben und damit insgesamt voraussichtlich 33,2 Millionen Menschen mit dem Erreger leben. 2,1 Millionen Menschen müssen wohl an der Immunschwäche sterben. In Deutschland werden es, wie das RKI vermutet, 650 Menschen sein.

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