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Wochenendworkshop

»Wir haben etwas zu bieten«

28.11.2006
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Wochenendworkshop

»Wir haben etwas zu bieten«

Von Christiane Berg, Bremen

 

Auch in Bremen fand der Wochenendworkshop »Patient und Pharmazeutische Betreuung« wie zuvor in Trier und Berlin großen Anklang . Kammerpräsident Dr. Richard Klämbt konnte 400 Apothekerinnen und Apotheker begrüßen. Sie hatten zum Teil auch weite Wege nicht gescheut, um die Gelegenheit zur »praxisnahen und effektiven« Fortbildung zu nutzen.

 

Der Stärkung des Fachwissens durch Fortbildung, so Klämbt, kommt derzeit besondere Bedeutung zu, da es mehr denn je gilt, die Rolle des Apothekers als »Grundpfeiler im Gesundheitswesen« zu untermauern. Die aktuell geplanten Gesetzesmaßnahmen werden tief greifende Systemveränderungen in den Apotheken nach sich ziehen, warnte der Kammerpräsident.

 

Der Berufsstand habe schon viele Krisen überstanden. Stets habe er auf den ständigen Wechsel der Prioritäten und der Bedürfnisse der Gesellschaft eine geeignete Antwort gegeben. Bei dem Versuch zu überleben, habe er sich jedoch nie selbst aufgegeben und immer an seinen Idealen und Werten festgehalten.

 

Wichtiger Grundpfeiler

 

»Als Arzneimittelfachleute und -hersteller bieten wir Konzepte, die der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit dienen«: Darauf gelte es auch jetzt immer wieder hinzuweisen, so Klämbt. Auch angesichts des Urteils des Oberverwaltungsgerichtes (OVG)  Münster, das einen Bestell- und Abholservice für Arzneimittel in Drogerien als zulässig erklärt hat, dürften die Apotheker nicht in Panik verfallen. »Wir sind zwar aufgrund unserer kleinen Zahl kein bestimmender Sektor im politischen Kraftfeld. Doch haben wir Apotheker mit unseren Dienstleistungen, unserem Spezialwissen und unserer individuellen Beratungskapazität etwas zu bieten«, konstatierte er.

 

Klämbt betonte, dass der Patient und weniger die ständig umstrittene Ware Arzneimittel im Fokus der Tätigkeit des Apothekers stehen muss. Dabei seien preiswerte Arzneimittel ebenso beratungsbedürftig wie teure Medikamente.

 

Die Apotheke sei nicht allein Abgabestelle von Medikamenten und Hilfsmitteln, sondern ein umfangreicher »Informationsspeicher«, von dem der Patient profitiert. Dieses müsse in der Öffentlichkeit immer wieder deutlich gemacht werden.

 

Hilfe bei Gratwanderung

 

»Auch und gerade in der Pharmazeutischen Betreuung des Marcumar-Patienten kommt dem Apotheker im therapeutischen Bündnis mit dem Arzt große Verantwortung zu«, unterstrich Dr. Horst Günter Klar, Essen, in seinem Seminar. Zwar sei die Thrombose- und Embolie-Verhinderung bei möglichst niedrigem Blutungsrisiko immer eine »Gratwanderung«: Doch habe das Blutgerinnungsselbstmanagement des Patienten mit Unterstützung des Apothekers bei in der Regel lebenslanger Antikoagulation zum Beispiel mit Phenprocoumon große Vorteile.

 

Klar verwies auf die Bedeutung der engmaschigen Gerinnungskontrolle durch höhere Testfrequenz. Unabhängig von Arztbesuch und Labor könne die Messung bei gleich bleibender Präanalytik und Methodik jederzeit durchgeführt werden. Dieses mache, wenn erforderlich, die sofortige Dosisanpassung möglich und gehe mit mehr Sicherheit und Lebensqualität für den Patienten nicht zuletzt durch die Minderung von Komplikationen und schweren Ereignissen einher. Messwerte und etwaige Dosisanpassungen müssen allerdings exakt dokumentiert werden.

 

Stets müssten sich Apotheker und Patient bewusst sein, dass die Gabe oraler Antikoagulanzien ein gravierender Eingriff in ein hoch sensibles, subtil gesteuertes lebensnotwendiges System des menschlichen Organismus ist. Deshalb sei größte Sorgfalt angebracht, so Klar.

 

Der Referent, der detailliert die Wirkweise der 4-Hydroxycumarinderivate als Vitamin K-Antagonisten, genauer Vitamin K-Epoxid-Reduktasehemmer aufzeigte, warnte vor zahlreichen Nebenwirkungen (Blutungsgefahr aller Organe, reversible Alopecie, Osteopenie, gastrointestinale Symptome oder Cumarinnekrose) und Interaktionen. Hier sei pharmazeutischer Sachverstand gefragt.

 

Bei starken Abweichungen der Messwerte sowie Blutungs- und Gerinnungskomplikationen (Warnzeichen unter anderem massives Nasenbluten, Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken, ungewöhnliche Kopfschmerzen beziehungsweise Seh-, Sprach- und Gefühlsstörungen) könne der sofortige Einsatz des Notarztes notwendig werden.

 

Als international handhabbare Größe für die Bestimmung der Gerinnungsfähigkeit über die Thromboplastinzeit habe sich der INR (International Normalized Ratio)-Wert etabliert, der im Gegensatz zum früher üblichen Quickwert die weitgehende Vergleichbarkeit der Blutgerinnungswerte bei verschiedenen Bestimmungsmethoden und Test-Thromboplastinen erlaubt. Klar sprach von einem »weiten Tätigkeitsfeld für den Apotheker, auf dem er Kompetenz zeigen und Vertrauen schaffen kann«.

 

Therapeutische Herausforderung

 

»Auch zur Optimierung des komplexen Therapieregimes bei der Alzheimer-Demenz kann der Apotheker einen wichtigen Beitrag leisten«, bestätigten Professor Dr. Charlotte Kloft, Halle, sowie Diplom-Pharmazeut Oliver Schwalbe, Berlin. Gerade bei der Frage nach einem Präparat zur Selbstmedikation und Verbesserung mangelnder Konzentrations- und Merkfähigkeit müssten Apotheker hellhörig werden und Angehörige und Betroffene gegebenenfalls zur gemeinsamen Konsultation des Arztes motivieren. Kloft und Schwalbe betonten, dass typisch für die Alzheimer-Erkrankung als primäre, sprich: neurodegenerative  Demenz der schleichende Beginn, die starke Beeinträchtigung des Neugedächtnisses sowie die allmähliche Verschlechterung des Zustands des Patienten ist.

 

Zur antidemenziellen Arzneitherapie stehen als evidenzbasierte Therapieoptionen mit spezifischen Wirkmechanismen die Cholinesterase-Inhibitoren Donepezil, Rivastigmin und Galantamin sowie der Glutamatmodulator N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Antagonist Memantin zur Verfügung. Piracetam, Ginkgo biloba und Nicergolin werden zu den Antidementiva und Noootropika mit weniger definierten Wirkmechanismen gezählt.

 

Circa 80 Prozent der Alzheimer-Patienten entwickeln Verhaltensstörungen. Aggressivität, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Unruhe und Schlafstörungen sind häufiger Grund für Heimeinweisungen. In der Therapie kommen unter anderem Neuroleptika, Antidepressiva und Tranquilizer zum Einsatz. Die Alzheimer-Demenz werde angesichts der demografischen Entwicklung zukünftig verstärkt zur therapeutischen und gesellschaftlichen Herausforderung werden, so die Referenten.

Zusatzinformation zum Seminar »Rheuma-Patienten«

Die Folsäuresupplementierung bei einmal wöchentlicher Gabe von MTX zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis ist nur zwingend notwendig, wenn ein Mangel beim Patienten vorliegt.

 

Wird Folsäure aus diesem Grund oder prophylaktisch supplementiert, ist ein Abstand zur MTX-Gabe von 24 Stunden Stand der Empfehlungen, um einen Wirkungsverlust von MTX auszuschließen!

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