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Großhandel

Sanacorp denkt europäisch

28.11.2006
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Großhandel

Sanacorp denkt europäisch

Von Thomas Bellartz

 

In den kommenden Monaten dürfte sich die Debatte um die Entwicklung des genossenschaftlichen Großhandelsmarktes anheizen. In einem Brief des französischen Pharmagroßhändlers CERP, der der PZ-Redaktion vorliegt, kündigt dieser eine sehr enge Zusammenarbeit mit der deutschen Genossenschaft Sanacorp an.

 

In dem Schreiben, das am 13. November 2006 allen Mitgliedern der Genossenschaft zugestrellt wurde, wenden sich Generaldirektor Yves Keroudéan und Alain Bertheuil, Präsident des Verwaltungsrats, an die Mitglieder der CERP. Darin bekundet man, dass man die Genossenschaft CERP Rouen stärken wolle, um den anstehenden Veränderungen im Arzneimittelvertrieb und möglichen Regierungsentscheidungen entgegenwirken zu können. Die Zukunft der CERP solle auf ein breiteres Fundament gestellt werden.

 

Man plane eine Annäherung der Aktivitäten im Pharmagroßhandel der »beiden größten Apothekergenossenschaften Europas: CERP Rouen und Sanacorp«. Die Sanacorp decke 13 Prozent des deutschen, CERP 14 Prozent des französischen Marktes ab, heißt es weiter. Vor der Umsetzung müssten allerdings eine Reihe technischer und adminstrativer, aber auch politische Hürden genommen werden, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Entscheidung schließlich liege bei den jeweiligen Mitgliedern. Monatlich will die Unternehmensspitze nun die Mitglieder über den Fortgang der Annäherung informieren.

 

Zurückhaltung bei Sanacorp

 

Während auf der französischen Seite die Offenherzigkeit geradezu frappierend ist, gibt man sich bei der Sanacorp-Hauptverwaltung in Planegg vorsichtig bis bedeckt. Das mag zum einen mit den Erfahrungen der Vergangenheit zusammenhängen, zum anderen aber auch mit der Tatsache, dass tatsächliche Aktivitäten, die Einfluss hätten auf die Geschäfte der börsennotierten Sanacorp AG, einer entsprechenden Meldungspflicht unterliegen.

 

Am Dienstag erklärte Sanacorp-Vorstandschef Manfred Renner auf Anfrage der PZ, dass es keine Beschlüsse gebe. Allerdings prüfe man seit einiger Zeit die Möglichkeiten einer engeren Kooperation mit der CERP. Man halte Ausschau danach, in welchen Bereichen es mögliche Synergiepotenziale gebe und wie diese gehoben werden könnten, zum Vorteil beider Unternehmen und der deutschen wie französischen Genossen. Renner ließ indes durchblicken, dass es eine grundsätzlich »bemerkenswerte Ähnlichkeit« der Sanacorp- und der CERP-Strukturen gebe. Diese Ähnlichkeit könne in Zukunft die Basis für eine Kooperation sein, so Renner weiter. Trotzdem: »Noch sind wir im Stadium des Prüfens«, sagte Renner.

 

Bereits seit einigen Monaten wird in der Branche heftig spekuliert, welchen Weg die Sanacorp weiter einschlagen wird. Die Gespräche mit der Noweda, die ihre Marktanteile mit einem immensen Kapitaleinsatz in den vergangenen Jahren ausbauen konnte, waren im Sande verlaufen, Noweda nicht zu einem Zusammenschluss bereit. Auch die Übernahme der Frankfurter Andreae Noris Zahn AG durch die Sanacorp ist seit einigen Wochen endgültig vom Tisch.

 

Da sich in Deutschland keine Möglichkeiten mehr bieten, richtete sich der Blick ins benachbarte Ausland. Angesichts der sowohl in Frankreich wie in Deutschland pharmapolitisch brenzligen Lage dürften die beiden Unternehmen auch vor dem Hintergrund eines zusammenwachsenden Europas, näher kommen können.

Kommentar: Logische Konsequenz

Am Mittwoch tagte wieder einmal die Generalversammlung der Noweda. Da wird gerne über die Erfolge berichtet, über die gesundheitspolitische Lage, die Situation der Apotheken und manchmal auch über den Großhandelsmarkt. Noweda hat sich in den vergangenen Jahren dort immer besser in Szene setzen können. PZ-Redakteure sind bei der Noweda ungern gesehen - das hindert uns nicht an der Berichterstattung.

 

Die Genossen aus Essen gelten als ebenso erfolgreich wie aggressiv im Markt und haben in den vergangenen Jahren mit zunehmender Flächendeckung ihren Marktanteil kontinuierlich ausgebaut. Das hätte schneller gehen können, wenn man in Essen auf die Avancen der süddeutschen Sanacorp auch nur ansatzweise eingegangen wäre. Das war nicht der Fall.

 

Noweda suchte den Konflikt mit der Schwester-Genossenschaft im Markt. Und die geht mittlerweile denselben Weg und greift die Noweda in deren Stammgebiet an. Verbrannt wird, Wettbewerb hin oder her, Apothekergeld, Genossenschaftskapital.

 

Das ist nicht nur schade, sondern angesichts der Herausforderungen, denen sich der Apothekenmarkt gegenübersieht, geradezu fahrlässig. Eine brillante Managementleistung ist das keinesfalls.

 

Dass sich nun eine Allianz der Sanacorp mit der französischen Genossenschaft CERP anbahnt, zeigt, wie wichtig in Zukunft auch für Großhändler aber eine stabile Größe im Markt sein wird. In Verhandlungen mit multinationalen Pharmakonzernen dürften in naher Zukunft die Marktanteile entscheidend sein.

 

Seit Jahren wäre die einzige logische Konsequenz im Genossenschaftsmarkt also gewesen, dass sich beide Großhandlungen annähern und alte Gräben überwinden. Doch das fällt allzu schwer.

 

Dass die Sanacorp nicht aufgibt bei ihrer Suche nach einer probaten Lösung zeugt davon, dass es das Management in Planegg ernst gemeint hat - mit der Anzag, mit der Noweda. Nun auch mit CERP?

 

In diesen europäischen Zeiten wäre eine Debatte über den Sinn oder Unsinn solcher Alliancen fatal. Was für Phoenix und Celesio gilt, kann auch für Sanacorp und CERP gelten. Dann bleibt trotzdem noch eine entscheidende Frage unbeantwortet: Was wird aus der Anzag?

 

Thomas Bellartz

Leiter der Hauptstadtredaktion

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