Pharmazeutische Zeitung online

Der Protest wirkt

28.11.2006
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Der Protest wirkt

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

in diesem November haben wir in hervorragender Weise gezeigt, was wir von der Gesundheitsreform halten: Mehr als 40.000 Apotheker und Apothekenangestellte sind aus Protest bei den Kundgebungen in Leipzig, München, Düsseldorf und Hamburg auf die Straße gegangen. Unser Protest fand große Resonanz in den Medien, immer auch in den Hauptnachrichten. Für dieses außerordentliche Engagement danke ich Ihnen allen herzlich.

 

Meiner Meinung nach sollten wir weiterhin zeigen, dass wir gute Gründe für eine bessere Reform haben. Zwar gibt es erste Anzeichen, dass unsere Argumente endlich vernommen werden. Aber es gibt noch keine verbindlichen Signale, dass dem bekundeten Verständnis auch die erforderlichen Korrekturen an dem Gesetzentwurf folgen. Immerhin hat Jens Spahn, stellvertretender Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU im Bundestag, auf der Kundgebung in Düsseldorf eingeräumt, dass ihm unsere Vorschläge für eine liberalere aut idem-Lösung einleuchten. Und ich möchte Ihnen den O-Ton eines TV-Journalisten auf der Pressekonferenz zur Hamburger Kundgebung nicht vorenthalten. Als ich dort die im Gesetzentwurf vorgesehenen Strafrabatte zu Lasten der Apotheker erläuterte, entfuhr es ihm unwillkürlich, »das ist ja vollkommen bescheuert«.

 

Aber so ist das offenbar, wenn die Eckpunkte für ein großes Gesetzpaket ohne Beteiligung des dafür erforderlichen Sachverstands vereinbart werden. Dann kann es schnell mal passieren, dass Umsätze mit Erträgen verwechselt und daraus für uns verheerend falsche Schlüsse gezogen werden.

 

Wir Apotheker werden uns flächendeckend an dem nationalen Aktionstag gegen die Gesundheitsreform beteiligen. Gemeinsam mit Ärzten und anderen Heilberuflern erheben wir am 4. Dezember erneut unsere Stimme. Unsere Kunden werden am kommenden Montag einen Eindruck davon gewinnen, was alles bald die Regel sein könnte, wenn die Gesundheitsreform unverändert in Kraft tritt. Weniger Personal, Wartezeiten und höhere Beiträge für die Krankenversicherung sind dann programmiert. In den nächsten Tagen erhalten Sie per Infopost ein Aktionspaket mit Plakaten und Flugblättern. Damit informieren wir unsere Kunden darüber, wofür wir eintreten:

 

für ein Gesundheitswesen, bei dem die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt steht,

für die unabhängige Beratung zu Arzneimitteln,

und für die flächendeckende wohnortnahe Arzneimittelversorgung rund um die Uhr.

 

Die Fakten sprechen für uns: Acht von zehn Befragten sind der Meinung, dass die Gesundheitsreform nicht wie geplant verabschiedet werden sollte. Und ebenfalls acht von zehn Befragten sagen, dass sie mit der Betreuung in ihrer Apotheke voll zufrieden sind. Nun liegt es an der Politik, diese beiden Werte endlich anzuerkennen. Lassen wir nicht locker in unserem Protest und machen wir der Politik eindringlich klar, was sie aufs Spiel setzt, wenn sie den unabhängigen Heilberuf durch den Arzneimittelhändler mit pharmazeutischem Feigenblatt ersetzen sollte!

 

Ihr Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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