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Analyse

Aids-Epidemie gefährdet UN-Ziele

28.11.2006
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Analyse

Aids-Epidemie gefährdet UN-Ziele

Von Thomas Bellartz

 

Die globale Aids-Epidemie gefährdet die selbstgesteckten Millenniumsziele der Vereinten Nationen (UN). Die jetzt veröffentlichte Untersuchung stützt sich auf Daten aus 80 Entwicklungsländern.

 

Während in Deutschland wenigstens die Mittel vorhanden sind, um dem Thema Aids quer durch die Gesellschaft ein Höchstmaß an Bedeutung und Aufmerksamkeit zu verschaffen, gelingt dies anderswo nicht. Und das hat fatale Auswirkungen. So warnt eine Studie, dass sich ohne wirksamen Kampf gegen die Immunschwäche weder Armut noch Hunger, Kindertod oder Bildungsnot bis zum Jahr 2015 den Vorsätzen der Vereinten Nationen folgend vermindern lassen. Das bedeutet, dass die sogenannten Milleniumsziele der Vereinten Nationen (UN) zusehends verschwimmen. Einer der zentralen Gründe für diese andauernde Misere ist Aids.

 

So falle etwa in einem typischen afrikanischen Land, in dem jeder Fünfte mit dem Aidserreger HIV infiziert ist, das Bruttoinlandsprodukt nach 20 Jahren um zwei Drittel niedriger aus, als es ohne die Immunschwäche möglich gewesen wäre, heißt es in der Analyse, die das Fachjournal »PLoS Medicine« zum Weltaidstag im Internet veröffentlicht hat.

 

Die acht Millenniumsziele waren im September 2000 von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in der UN-Vollversammlung beschlossen worden. Mit ihnen haben sich die Staaten verpflichtet, bis zum Jahr 2015 unter anderem extreme Armut und Hunger weltweit zu halbieren, die Ausbreitung von Aids zu stoppen und die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken.

 

Doch die reine Formulierung der Ziele und die Verstärkung der Programme in den Entwicklungsländern konnten die Verbreitung von Aids kaum mindern. Seit der Verabschiedung der Ziele ist die Zahl der HIV/Aids-Patienten weltweit auf fast 40 Millionen gestiegen. Allein in diesem Jahr haben sich nach Angaben des Aids-Bekämpfungsprogramms UNAIDS der Vereinten Nationen mehr als vier Millionen Menschen neu infiziert.

 

Die Analyse macht jedoch deutlich, dass HIV/Aids nicht nur gesundheitliche Probleme aufwirft, sondern soziale und wirtschaftliche Fortschritte in vielen Ländern der Welt bremst oder sogar verhindert. Daten aus Thailand zeigten, dass Haushalte, die von HIV betroffen sind, finanziell weitaus schlechter dran sind als Familien ohne Infizierte, betonen die Autoren. Nach einer Studie aus Botswana wirft der Erreger das Pro-Kopf-Einkommen einer Familie auf zehn Jahre um zehn Prozent zurück.

 

Besonders besorgniserregend sei das Schicksal von Aids-Waisen. Ihre Zahl wird im südlichen Afrika bis 2010 auf 18 Millionen steigen, heißt es dem Journal. Schon heute haben in manchen Ländern der Region zwei von drei Waisenkindern ihre Eltern durch Aids verloren. Andere Studien machten klar, dass Kinder aus Familien mit HIV/Aids weitaus schlechter ernährt sind und häufiger ohne wenigstens ein Minimum von Schulbildung aufwachsen müssten.

 

Im Jahr 2005 starben 570.000 Kinder an einer Infektion mit dem Aids-Erreger, die meisten noch vor ihrem fünften Geburtstag, heißt es in der Analyse. Die Zahl der «indirekten» HIV/Aids-Opfer in jungen Jahren sei um ein Vielfaches höher: Kinder von HIV-infizierten Müttern hätten das dreifache Risiko, früh zu sterben.

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