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Herzinfarkte bleiben häufig unbemerkt

18.11.2015
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Von Annette Mende / Die große Mehrheit der Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, bekommt davon gar nichts mit. Einer aktuellen Publikation im Fachmagazin »JAMA« zufolge bleiben vier von fünf Herzinfarkten unbemerkt, sind also sogenannte stumme Infarkte.

 

Was daraus für die klinische Praxis folgt, müssen weitere Studien klären, schreiben die Autoren um Dr. Evrim B. Turkbey von den US-amerikanischen National Institutes of Health (DOI: 10.1001/jama.2015.14849).

 

Ein Herzinfarkt ist eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, meist infolge eines Gefäßverschlusses. Selbst wenn sie nur vorübergehend ist, geht diese Sauerstoffunterversorgung am Herzmuskel nicht spurlos vorbei: In dem betroffenen Gebiet kommt es zu einer Vernarbung des Gewebes. An diesen Narben kann sich der Herzmuskel nicht mehr zusammenziehen, was die Herzfunktion dauerhaft schwächt.

 

Solche Narben im Herzmuskel sind mittels Magnetresonanztomografie (MRT) gut zu erkennen. Um herauszufinden, wie hoch die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung mittleren bis höheren Alters ist, untersuchte das Team um Turkbey 1840 Personen mit diesem Verfahren. Zudem ermittelten die Forscher von den durchschnittlich 68 Jahre alten Teilnehmern diverse kardiovaskuläre Risikofaktoren.

 

Bei 7,9 Prozent aller Probanden zeigten vernarbte Stellen im Herzmuskel, dass die Betroffenen in der Vergangenheit einen Herzinfarkt erlitten hatten. Doch lediglich bei 1,7 Prozent der Teilnehmer war dieser klinisch erkannt worden. Somit betrug die Rate der stummen Herzinfarkte 78 Prozent. Bei Männern fanden sich insgesamt deutlich häufiger Herzmuskel-Narben als bei Frauen (12,9 versus 2,5 Prozent). Zu den individuellen Risikofaktoren zählten wenig überraschend höheres Alter und höherer Body-Mass-Index, Bluthochdruck sowie Rauchen. /

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