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Duale Plättchenhemmung

Ideale Dauer unklar

19.11.2014
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Von Annette Mende / Wie lange sollen Pa­tienten nach der Implantation eines Stents zwei verschiedene Thrombozyten-Aggregationshemmer einnehmen, um Thrombosen zu verhindern?

 

Diese Frage lässt sich auch anhand neuer Daten nicht pauschal beantworten. In einer jetzt im »New England Journal of Medicine« veröffentlichten Studie erlitten Patienten, die nach Implantation eines Arzneistoff-freisetzenden Stents 30 Monate lang Acetylsalicylsäure (ASS) plus Clopidogrel oder Prasugrel erhalten hatten, zwar weniger häufig Herzinfarkte als Patienten, die nach einem Jahr auf eine ASS-Monotherapie umgestellt worden waren. Sie hatten aber aufgrund anderer Ursachen ein höheres Sterberisiko als die kürzer behandelten Patienten (DOI: 10.1056/NEJMoa1409312).

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA teilte mit, dass sie auf Basis der Studienergebnisse Empfehlungen zur Dauer der dualen Thrombozyten-Aggregationshemmung geben will. Vorerst sei man jedoch noch mit der Auswertung beschäftigt. Bei der DAPT-Studie (Dual Antiplatelet Therapy Study) handelt es sich um eine öffentlich-private Zusammenarbeit zwischen der Harvard-Universität und diversen Pharmaherstellern mit insgesamt knapp 10 000 Teilnehmern. Nachdem ihnen ein Stent implantiert worden war, erhielten die Patienten ein Jahr lang ASS plus Clopidogrel oder Prasugrel, wobei der Studienarzt die Entscheidung für eines der beiden Thienopyridine fällte. In zwei von drei Fällen fiel dabei die Wahl dabei auf Clopidogrel. Nach zwölf Monaten erhielten die Patienten randomisiert für weitere 18 Monate entweder eine Fortsetzung der begonnenen Therapie oder ASS plus Placebo.

 

Patienten, die nur ein Jahr lang die doppelte Plättchenhemmung erhielten, erlitten häufiger Komplikationen wie eine Thrombenbildung am Stent (1,4 versus 0,4 Prozent) und schwere kardio- oder zerebrovaskuläre Ereignisse (5,9 versus 4,3 Prozent). Allerdings war in der Gruppe, die länger die Zweifach-Kombi erhielt, das Sterberisiko höher (2,0 versus 1,5 Prozent), was vor allem auf eine höhere Sterblichkeit an Krebs und Traumata zurückzuführen war. Das erhöhte Sterberisiko wurde nur bei mit Clopidogrel behandelten Patienten gesehen, nicht bei denen, die Prasugrel erhielten. Die FDA weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass bislang keine andere Untersuchung ein erhöhtes Sterberisiko unter Clopido­grel-Behandlung gezeigt hat. / 

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