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Chronische Krankheiten

Bündnis legt Vier-Punkte-Plan vor

19.11.2014
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Ein breites Bündnis aus Organisationen und Verbänden hat einen Vier-Punkte-Plan vorgelegt, um die Ausbreitung der sogenannten nicht übertragbaren Krankheiten zu stoppen. Die Politik soll demnach verstärkt Kinder in den Fokus nehmen.

Bereits heute gebe es Hunderte von Präventionsangeboten in Deutschland. Das sagte Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz gegen nichtübertragbare Krankheiten, vergangene Woche in Berlin. »Sie haben den Tsunami der chronischen Krankheiten aber nicht aufhalten können.« Gemeinsam fordern die Organisationen neue Lösungsansätze, die auch bildungsferne Schichten erreichen, bei denen Appelle für einen gesunden Lebensstil bislang meist verhallen.

 

Viele Todesfälle

 

Zu den nicht übertragbaren Krankheiten zählen unter anderem Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Häufig sind Übergewicht und Bewegungsmangel Auslöser dieser Leiden. In Europa verursachen sie Garlichs zufolge bereits heute 86 Prozent der vorzeitigen Todesfälle und 77 Prozent der Krankheitslast.

 

In der Prävention wollen die Organisationen künftig weniger auf Projekte setzen, die an das Gesundheitsverhalten des Einzelnen appellieren. Diese »Politik des erhobenen Zeigefingers« habe ihr Ziel schlichtweg verfehlt, so Garlichs. Stattdessen sollen künftig strukturelle Lösungen im Vordergrund stehen, »die es den Menschen leichter macht, einen gesunden Lebensstil anzunehmen«.

 

Kinder sollen demnach schon früh lernen, worauf es ankommt. Schulen und Kitas sollen daher sicherstellen, dass täglich mindestens eine Stunde Bewegung auf dem Programm steht. Für die Verpflegung, etwa in Schulkantinen, fordert das Bündnis einheitliche Qualitätsstandards, die eine gesunde Ernährung garantieren. Damit Kinder nicht über die Werbung zum Konsum ungesunder Lebensmittel verführt werden, sollen zudem entsprechende Spots und Anzeigen verboten werden.

 

Die Entscheidung für gesunde Lebensmittel im Supermarkt wollen die Verbände über den Preis steuern. So schlagen sie eine spezielle Steuer für Lebensmittel vor, die besonders viel Fett, Zucker oder Salz enthalten. Gesunde Produkte sollen demnach entsprechend günstiger angeboten werden.

 

In Ungarn, Finnland oder Frankreich gebe es bereits entsprechende Steuermodelle, sagte Garlichs. Er sieht darin auch einen »Anreiz für die Lebensmittelindustrie, ihre Rezepturen gesünder zu gestalten«. Dazu seien die Unternehmen zwar bereits heute in der Lage. Handeln würden sie jedoch erst, wenn alle Wettbewerber dazu gezwungen seien.

 

Ehrgzeiziges Ziel

 

Die Umsetzung des Vier-Punkte-Plans nannte Garlichs ein »ehrgeiziges Ziel«. Veränderungen in den Schulen und Kindergärten fallen in die Kompetenz der Länder. Hier müsse es gelingen, »die Schwerfälligkeit des deutschen Föderalismus zu überwinden«.

 

Garlichs verwies aber auch auf den Globalen Aktionsplan gegen nicht übertragbare Krankheiten. Darin empfehle die Weltgesundheitsorganisation unter anderem die vier von der Allianz vorgeschlagenen Maßnahmen. Zur Unterstützung des Globalen Aktionsplans hatte sich auch Deutschland 2013 verpflichtet. /

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