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Telemedizin

Projekte zeigen Chancen auf

19.11.2013
Datenschutz bei der PZ

Von Yuki Schubert, Berlin / Ob Schlaganfall-Netzwerk in Thüringen oder Genetische-Daten-App – es tut sich was im Gesundheitswesen. Auf einem Kongress in Berlin wurden aktuelle Projekte in der Telemedizin vorgestellt.

Professor Arno Elmer, Hauptgeschäftsführer der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte, betonte, dass die elektronische Gesundheitskarte nur ein kleines Projekt innerhalb des Aufbaus einer Telematikinfrastruktur (TI) darstelle. Mittels einer Plattform solle eine bundesweite Verbindung der IT-Systeme aus Arztpraxen, Apotheken, Krankenhäusern und Krankenkassen möglich gemacht werden, damit ein systemübergreifender Austausch von Informationen gewährleistet werden könne.

 

Mehr Datenschutz

 

Der große Vorteil der TI sei die Chance, den Datenschutz auszubauen, sagte Elmer. »Wir bauen diese Infrastruktur auf, damit der Datenschutz höher ist als heute.« Denn im Unterschied zum ungeschützten Internet, auf das jedermann weltweit zugreifen könne, gebe es in der TI klare »Verkehrsregeln«, deren Einhaltung von der Gematik überwacht werde.

 

Professor Christian Dierks beschäftigt sich mit dem Umgang mit genetischen Daten im Netz. Grundsätzlich dürften personenbezogene Gesundheitsdaten nicht verarbeitet werden, sofern keine Einwilligung des Betroffenen oder eine gesetzliche Anordnung vorliege, sagte er. In seinem Vortrag stellte Dierks die Handy-App des Gentest-Unternehmens »23andMe« vor. Mittels eines DNA-Tests, der vorher eingeschickt werden müsse, gebe die App Auskunft über die persönliche Verträglichkeit von bestimmten Arzneimitteln oder auch eine Auflistung der individuellen Risikokrankheiten. Allerdings merkte Dierks an, die App sei nicht in der Lage, eine vollständige Gendiagnostik vorzulegen.

 

Darüber hinaus seien genetische Daten nicht wie zuvor stets angenommen ein Leben lang gleich, sondern sie könnten sich verändern, sagte Dierks. Um dies zu veranschaulichen, brachte er als Beispiel den Hungerwinter 1944/45 in Holland an. Die Frauen gebaren nicht nur untergewichtige Kinder, sondern diese erkrankten überdurchschnittlich oft an Depressionen, Schizophrenie, Übergewicht oder Diabetes. Die betroffenen Mädchen gebaren später verhältnismäßig kleine Kinder, sodass die Erbsubstanz der Enkel noch Informationen der Lebensbedingungen der Großeltern enthielt.

 

Behandlung per Video

 

Anschließend präsentierte Albrecht Günther von der Hans-Berger-Klinik für Neurologie das Schlaganfall Telemedizin Netzwerk in Thüringen (Satelit). Hier arbeiten Schlaganfallexperten der neurologischen Kliniken des Klinikums Altenburger Land, des Helios-Klinikums Erfurt und des Universitätsklinikums Jena mit anderen Kliniken Thüringens zusammen. Sie schalten sich per Videokonferenz in die Akut-Versorgung von Schlaganfallpatienten ein, wenn vor Ort keine eigene neurologisch geführte Stroke Unit existiert.

 

Um die Arbeitsweise zu erklären, zeigte Günther ein Bild, auf dem zwei Computerbildschirme zu sehen waren. Der eine diene dazu, einen direkten Kontakt zum Patienten aufzubauen und der andere, um simultan auf die Patientenakte zu blicken, sagte Günther. Mit dieser Methode sei es möglich, ungefähr 50 Beratungen pro Monat durchzuführen. /

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