Pharmazeutische Zeitung online

Ergänzende Untersuchungen sind notwendig

22.11.2005  10:44 Uhr

Qualität von Thymianöl

Ergänzende Untersuchungen sind notwendig

von Irmgard A. Werner, Zürich

 

Thymianöle haben den Ruf, oft verfälscht zu sein. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass mit der Thymianöl-Monographie des Europäischen Arzneibuchs bestimmte Verunreinigungen nicht erkennbar und ergänzende Maßnahmen erforderlich sind.

 

Für die Arzneibuchqualität muss Thymianöl durch Wasserdampfdestillation aus den frischen, blühenden, oberirdischen Teilen von Thymus vulgaris L., Thymus zygis Loefl. ex L. oder aus beiden Spezies gewonnen werden (Definition gemäß Pharmakopoea 5.00 (1)). Seit 1999 gibt es eine Monographie im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.), vorher war Thymianöl nur in den schweizerischen und österreichischen Arzneibüchern definiert.

 

Im Rahmen der kantonalen Heilmittelkontrolle werden anlässlich von Inspektionen seit 2002 in Apotheken und Drogerien Proben erhoben und ins Labor zur Analyse gegeben. Neben Thymianöl wiesen auch andere ätherische Öle Mängel auf (2), doch zeigte sich die Qualitätsprüfung von Thymianöl als besonders problematisch.

 

Folgende Parameter werden nach Ph. Eur. 5.0 geprüft:

Identität: Dünnschichtchromatogramm und chromatographisches Profil.

Reinheit: Dichte, Brechungsindex.

chromatographisches Profil mit einem Gehaltsbereich von
β-Myrcen  von 1,0 bis 3,0 Prozent
γ-Terpinen von 5,0 bis 10 Prozent
p-Cymen  von 15,0 bis 28,0 Prozent
Linalool  von 4,0 bis 6,5 Prozent
Terpinen-4-ol  von 0,2 bis 2,5 Prozent
Thymol  von 36,0 bis 55,0 Prozent
Carvacrol  von 1,0 bis 4,0 Prozent

 

Von 24 Proben musste weder Dichte noch Brechungsindex beanstandet werden, nur die Prüfparameter des chromatographischen Profils und oft das Dünnschichtchromatogramm. Bei älteren, zersetzten Proben waren meist beide Prüfungen nicht erfüllt. Die Komponenten β-Myrcen, γ-Terpinen, Linalool und Terpinen-4-ol nehmen bei der Alterung ab, während der Gehalt an p-Cymen und α-Terpineol (keine Anforderung in der Pharmakopöe) zunimmt (2).

 

Der nicht verbindliche Teil der Thymianmonographie bezüglich Farbe ist weit gefasst, sodass alle Farbschattierungen möglich sind (siehe Abbildung [nur in der Druck-Ausgabe]). Es wurden Proben untersucht, die leicht gelblich bis dunkelrot oder braunrot waren. Bei sehr dunklen Farben lagen meist überalterte Proben vor.

 

Verfälschungen durch Addition von Thymol und/oder p-Cymen (3, 4) sind schwierig nachzuweisen, da sie bereits genuin in der Pflanze vorkommen. Hier bietet sich die chirale Untersuchung von Komponenten des ätherischen Öls an, die in einem bestimmten racemischen Verhältnis natürlich vorkommen. Casabianca et al. untersuchte diverse Proben auf das Verhältnis von Linalool und Linalylacetat (5). Braun et al. leisteten viel Vorarbeit für neue Monographien in der Pharmakopöe (6) mit Untersuchungen an Kümmel-, Lavendel-, Koriander- und Bitterorangenblütenöl.

 

Bei der Kantonalen Heilmittelkontrolle Zürich wurden Proben aus dem Jahre 2004 und 2005 mit GC/MSD auf Identität der einzelnen Komponenten und mit einer chiralen Säule mit GC/FID analog Lavendelöl zusätzlich zu den geforderten Prüfungen der Pharmakopöe untersucht.

 

Ergebnisse

 

Interessant sind die Proben, die den Anforderungen der Pharmakopöe entsprechen, aber beim chiralen Test nicht entsprechen (Tabelle [nur in der Druck-Ausgabe]). Gemäß Kreck et al. (7) liegt in natürlichen Thymianölen mit über 96 Prozent die (R)-(-)-Form des Linalools vor. Chromatogramm-Ausschnitt 1 [nur in der Druck-Ausgabe] zeigt eine Probe 05-0308, bei der dieses Verhältnis nicht erfüllt ist. Der hohe Anteil an (S)-(+)-Linalool ist deutlich ersichtlich. Leider fallen bei der chiralen Methode Dihydrolinalool und (+)-Borneol zusammen. Dihydrolinalool ist ein Nebenprodukt aus der Synthese von Linalool und kommt in der Natur in Thymianöl nicht vor. Neukomm et al. konnten Dihydrolinalool in Bergamotöl in Earl-Grey-Tee nachweisen (8). Blanco et al. (9) fanden Dihydrolinalool in durch Wasserdampf destilliertem Zitronenöl in einer Konzentration von 0,03 bis 0,1 Prozent, erwähnen allerdings nicht, ob dies eine Fälschung des Öls anzeigt.

 

Die chromatographischen Bedingungen können bei der Autorin angefragt werden.

 

Im Chromatogramm-Ausschnitt 2 der Pharmakopöemethode ist der kleine Peak von Dihydrolinalool vor Linalool ersichtlich. Legt man das Chromatogramm der Probe 05-0308 auf die Referenzlösung, so ist der Peak von Dihydrolinalool bestimmbar (Chromatogramm-Ausschnitt 3). Als Vergleich wird im Chromatogramm-Ausschnitt 4 eine Probe gezeigt, bei der kein Dihydrolinalool vorhanden ist.

 

Mit einer apolaren Methode konnte im Chromatogramm der Referenzsubstanz Linalool Fluka 62139 das Massenspektrum des Dihydrolinalools bestimmt werden. Es hat einen Anteil von weniger als 2 Prozent bezogen auf den Gehalt des Linalools. Mit dieser Information konnten die Proben der letzten beiden Jahre auf Dihydrolinalool geprüft werden.

 

Bei Probe 05-224 wurden beide enantiomeren Formen des Linalycetat und Dihydrolinalylactat gefunden, das auf die gleiche Weise wie Dihydrolinalool bestätigt werden konnte. Dies lässt vermuten, dass sowohl synthetisches Linalool als auch Linalylacetat zugesetzt wurden.

 

Teisseire beschrieb den Zusatz von synthetischem Linalool und Linalylacetat in Lavendelöl (10). Wenn der Gehalt an Linalool unter 1 Prozent liegt, ist es oft schwierig, Dihydrolinalool zu erkennen. In diesem Fall bringt nur die chirale Analyse Klarheit darüber, ob das Öl verfälscht wurde. Bei diesen Fällen mussten die Öle sowieso als nicht konform beanstandet werden, da ein Linalool-Gehalt von 4 bis 6 Prozent gefordert wird.

 

Die Vorgaben der Pharmakopöe dürfen nicht auf die Proben von Aldrich angewendet werden, da sie nicht als solche deklariert wurden und für die Verwendung im Lebensmittelbereich vorgesehen sind. Ihre »natürliche« Herkunft darf aber trotzdem angezweifelt werden.

 

Fazit

 

Die Untersuchungen zeigen, dass Thymianöl, das rund sechs Jahre alt ist, durch ein neueres ersetzt werden muss. Bei sachgerechter Lagerung kann dieses ätherische Öl kaum mehr als drei Jahre lang verwendet werden.

 

Die Thymianöl-Monographie in der Pharmakopöe ist nicht ausführlich genug, um den Zusatz von synthetischem Linalool zu erkennen. Mit der Prüfung auf Dihydrolinalool auf der bisher vorgeschriebenen Säule oder einer Prüfung der chiralen Reinheit mit Gaschromatographie könnte dieser Mangel behoben werden.

 

Literatur

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Pharmacopoea Europaea, 5th Edition, 2005; Monographie Thymianöl und Lavendelöl.

Werner, I., Österreichische Apothekerzeitung 20 , (2004) 961 - 962.

Kommentar zum europäischen Arzneibuch, NT 1999, T45/5

Burfield, T., the adulteration of essential oils, 2003); www.users.globalnet.co.uk/~nodice/index.htm.

Casabianca, H., Fraff, J.B., Faugier, V., Fleig, F., Grenier, C., J. High Resol. Chromatogr. 21 (1998) 107 -112.

Braun, M., Franz, G., Pharm. Ztg, 29 (2001) 1 - 10.

Kreck, M., Scharrer, A., Bilke, S., Mosandl, A., Flavour Fragr. J., 17 (2002) 32 ­ 40.

Neukomm, H.-P., Meier, D.J., Blum, D., Mitt. Gebiete Lebensm. Hyg. 84 (1993) 537 ­ 544.

Blanco Tirado, C., Stashenko, E.E., Combariza, M.Y., Martinez, J.R. J. of Chromatography A 697 (1997) 501- 513.

Teisseire, P., in Capillary Gas Chromatography in Essential Oil Analysis, Editor P. Sandra, C. Bicchi, Huetig Verlag, (1987) 215 ­ 258.

Adams, R.P., Identification of essential oil components by gas chroma-tography/ mass spectroscopy, 1995, Allured Publishing Corporation Carol Stream, Illinois, USA.

NIST: webbook.nist.gov/cgi/cbook.cgi?Name=dihydrolinalool&Units=SI

 

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Irmgard A. Werner

Kantonale Heilmittelkontrolle Zürich

Regionale Fachstelle der Ost- und Zentralschweiz

Haldenbachstraße 12

CH-8006 Zürich

heilmittelkontrolle-zh(at)usz.ch

 

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