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Hirnchip lässt gelähmte Affen laufen

16.11.2016
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dpa / Mithilfe eines Hirnchips und weiterer Implantate können gelähmte Affen wieder gehen. Das System überbrückt die zerstörten Leitungsbahnen im Rückenmark und schafft so eine kabellose Verbindung zwischen dem Gehirn und dem Bein. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Marco Capogrosso vom Swiss Federal Institute of Technology in Lausanne in »Nature« (DOI: 10.1038/nature20118).

 

Die von den Forschern entwickelte Hirn-Wirbelsäule-Schnittstelle, besteht aus mehreren Bestandteilen: Ein Hirn­implantat zeichnet die elektrische Aktivität der für das Gehen verantwortlichen Nervenzellen im Motorkortex auf und schickt das Aktivitätsmuster an einen Computer.

Über spezifische Algorithmen erstellt dieser daraus ein Stimulationsprotokoll, das an einen Taktgeber im Lendenbereich geschickt wird. Auf Grundlage dieses Protokolls werden schließlich 16 Elektroden gesteuert, die an genau definierten Bereichen implantiert sind und letztlich die Muskeln aktivieren – das gelähmte Bein bewegt sich, es wird in Echtzeit gebeugt und gestreckt.

 

Die Forscher testeten die Neuro­prothese unter anderem erfolgreich an zwei Rhesus-Affen, bei denen jeweils ein Bein aufgrund einer gezielten Durchtrennung des Rückenmarks gelähmt war. »Die Arbeit ist eine tolle Weiterentwicklung und eine enorme, vor allem technische Leistung«, kommentiert Dr. Rüdiger Rupp, von der Klinik für Paraplegiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. »Ob die vorgestellte Schnittstelle auch bei vollständig querschnittsgelähmten Menschen funktioniert, ist allerdings völlig unklar.«

 

Anders als bei den Affen in der Studie seien beim Menschen in der Regel beide Beine gelähmt. Ein weiteres Problem sei, dass mit dem Verfahren derzeit nur grundlegende Bewegungen wie Beugen und Strecken initiiert werden können. Komplexere Funktionen wie Balancieren oder das Überwinden von Hindernissen ließen sich mit der gegenwärtigen Technologie nicht umsetzen. /

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